Archiv für den Monat März 2017

Theresa Simon: Die Holunderschwestern

Die Holunderschwestern von Teresa Simon

Theresa Simon: Die Holunderschwestern

Blanvalet Verlag

Preis: 9,99 €

Zwei Frauen –zwei Geschichten – eine Familie…….

München 1918: Die junge Fanny hat ihre Mutter verloren und sehnt sich danach, der Enge der Familie und ihrer Heimat der (Oberpfalz) zu entfliehen. Das Schicksal kommt der jungen Frau gelegen, ein Bruder hat schon sein Glück in München gemacht und vermittelt Fanny eine Anstellung bei einer Schneiderin. Franzi, die sensible Zwillingsschwester bleibt leider zurück. Im Zug nach München lernt die aufregte und ein wenig eingeschüchterte Fanny eine jüdische Familie kennen und freundet sich mit deren Kindern an.

München 2015: Katharina Raith ist Mitte 30 und hat sich mit ihrer besten Freundin und Partnerin, Isi, gerade mit einer eigenen Werkstatt zum Restaurieren von alten Möbeln selbständig gemacht. Das Geschäft fängt langsam zu laufen und Katharina hat sich in ihrem Leben eingerichtet, sie ist zufrieden, auch wenn die große Liebe ihr noch nicht begegnet ist.

Eines Tages steht überraschend ein überaus charmanter und gutaussehender Engländer vor ihrer Tür und überreicht ihr die Tagebücher ihrer Urgroßmutter.

Viel Zeitgeschichte, sympathisches Protagonistinnen und die böse Eifersucht….

Katharina ist verwirrt, aber auch gespannt, als sie anfängt in diesen Kladden zu lesen, stellt sie fest, in ihrer Familie gab es viele Geheimnisse: Die Geschichte ihrer Urgroßmutter Fanny, die in den bewegten 20iger Jahren einer jüdischen Familie in München den Haushalt führte und alle mit ihrem Holunderkompott verwöhnte zieht sie ganz in seinen Bann. Katharina will mehr wissen, nicht nur über die überaus herzliche und sympathische Fanny, die mutig ihre Chance ergriff, sondern auch über die schöne und zarte Alina, die Tochter des Hauses, deren Glück durch die Repressalien der sich ankündigenden Nazi-Herrschaft bedroht wird. Alina und Fanny sind sich sehr herzlich zugetan und echte Freundinnen geworden. Besonders Fanny ist bereit, mit der Schwester im Herzen durch dick und dünn zu gehen, was Fritzi die Zwillingsschwester Fannys, die inzwischen auch in München eine Anstellung gefunden hat, sehr eifersüchtig werden lässt. Alle drei erleben den Aufbruch und die Schrecken dieser später sehr düsteren Zeit hautnah mit und ihr Schicksal ist auf tragische und sehr spannende Weise miteinander verwoben. Das macht die Geschichte ungeheuer anziehend, besonders mit Fanny habe ich mich sehr identifizieren können, weil sie tapfer und tatkräftig ihr Schicksal annimmt und immer versucht, das Beste daraus zu machen. Meistens ist sie ruhig und zurückhaltend, aber wenn es darauf ankommt, schafft sie es auch, vermeintlich stärkeren Gegner die Stirn zu bieten. Mir hat das sehr gut gefallen, dass diese Figur ihre Ängste überwindet und sich nicht in die passive Opferrolle hineindrängen lässt, Fanny ist für ihre Zeit mindestens ebenso selbstbestimmt wie Katharina, die viele Jahrzehnte später nicht nur den Geheimnissen ihrer Familie auf die Spur kommt, sondern auch selbst ganz unverhofft ihr Glück findet.

Fazit: Teresa Simon hat diese Familiensaga sehr fesselnd und spannend erzählt. Von der ersten Seite an war ich mitten im Geschehen und ungeheuer gespannt darauf, ob am Ende der Geschichte wohl alle Familiengeheimnisse, die in der Story so nach und nach ans Licht kommen, aufgedeckt werden können. Mit Fanny habe ich mitgelitten und gehofft, dass sie sich ihr Glück nicht zerstören lässt und mich auch an ihren Geheim-Rezepten erfreut, für die sie sogar von der Familie des Malers Paul Klee engagiert wurde. Der historische Background wurde stimmig recherchiert und die Jahre der Münchner-Räterepublik und deren späteres Scheitern fesselnd in die Geschichte eingebaut. Das hat mir sehr gut gefallen! Die zweite Ebene mit der Urenkelin Katharina ist zwar in der Geschichte ein wenig blasser ausgearbeitet, aber auch bei Katharina habe ich mich am Ende mit ihr gefreut, dass sie ihr Glück gefunden hat. Mich hat aber besonders das Schicksal von Fanny gar nicht mehr los gelassen und ich habe das Buch sehr schnell zu Ende gelesen, weil ich einfach wissen musste, wie es mit ihr weitergeht. Ein tolles Buch für alle die Familiengeschichten mit historischem Kontext mögen und auch zu einer Herz-Schmerz-Liebesgeschichte mit Happy End nicht nein sagen. Perfekte Lektüre, um das Wochenende auf der Couch zu verbringen!

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Iona Grey: Als unsere Herzen fliegen lernten

Iona Grey: Als unsere Herzen fliegen lernten

Blanvalet Verlag

Preis: 9,99 €

Es lohnt sich zu kämpfen, am Ende ist es das, was wir am meisten bereuen…..

Es lohnt sich zu kämpfen, am Ende ist es das, was wir am meisten bereuen…..

Worum geht es?

1943: London: In der Ruine einer zerbombten Kirche trifft der amerikanische Pilot Dan Rosinski die junge Engländerin Stella Thorne. Es ist der Beginn einer unausweichlichen, aber unmöglichen Liebe, denn Stella ist verheiratet, und Dans Chancen als Bomberpilot, den Krieg zu überleben, sind mehr als gering. In einer Zeit, in der die Menschen jeden Tag nicht wissen, wie es morgen weitergeht und ob es weitergeht, schreiben sie sich Briefe, um an dem festzuhalten, woran sie glauben: ihre Liebe. Für beide ist das ein Rettungsanker, denn Dan sieht jeden Tag dem Tod ins Auge und Stella steckt in einer lieblosen Ehe fest, ohne Aussicht darauf, jemals so geliebt zu werden, wie sie es sich gewünscht und für ihr Leben erträumt hat.

2011: Viele Jahrzehnte später rettet sich eine junge Frau (Jess) vor ihrem gewalttätigen Freund in ein leerstehendes Haus in einem Londoner Vorort. Da erreicht sie ein Brief, der sie mitten in die Geschichte einer unerfüllten Liebe hineinzieht, die ein halbes Jahrhundert überlebt hat …

Zwei Frauen ein Schicksal…..

Iona Grey präsentiert zwei Frauen mit demselben Schicksal, eine -Stella- wird durch gesellschaftliche Zwänge gezwungen, auf ihr Glück zu verzichten, der anderen –Jess- gelingt es, ihrem Leben mit der Hilfe eines jungen Mannes eine andere Richtung zu geben. Und doch ist es die Geschichte von Stella, die mich mehr fesseln konnte. Stella und Dans Geschichte ist herzerweichend: man spürt ihre Ängste, das sich aufbäumen gegen die Konventionen dieser Zeit, erlebt ihr scheitern an den Zwängen der gesellschaftlichen Umstände und am Ende sowas wie fast ein Happy End. Die junge Jess bleibt für meinen Geschmack blass und bietet kaum Projektionsfläche, weil so vieles bei ihr im ungefähren bleibt, sie ist fast wie eine Requisite, die allein dazu da ist, die Konturen und das Leid der anderen noch zu schärfen. Das ist ein geschickter dramaturgischer Schachzug, wenn es einer Autorin darum geht, den Blick des Lesers darauf zu lenken, dass wir heute so viel mehr Möglichkeiten haben, unser eigenes persönliches Glück zu finden und zu leben. Niemand muss sich mehr verstecken wegen seiner sexuellen Orientierung und Frauen nehmen sich das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben und persönliche Entfaltung. Außerdem haben wir vor allem die Chance, eine gleichberechtigte Partnerschaft zu leben. Das ist viel mehr als sich junge Frauen in den vierziger erträumen konnten…..

Fazit: Die Rechnung der Autorin ist aufgegangen der Kontrast dieser Frauen, die ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Zwängen unterworfen sind, lässt mich nicht unberührt zurück, wie sehr wünscht man sich, dass Stella und Dan ihre Liebe endlich Leben können. Das Buch ist spannend und herzergreifend, obwohl die Figur der jungen Frau blass bleibt, hier wäre sicherlich mehr möglich gewesen. Trotzdem fand ich den Roman anrührend und mitreißend, auch wenn jede Menge Kitsch mit im Spiel ist und musste hier immer weiter lesen. Ein gutes Buch, um einen verregneten Tag im Bett zu verbummeln. Wer nah am Wasser gebaut hat, wird vielleicht auch ein paar Tempos benötigen.

Luca D’Andrea: Der Tod so kalt

Der Tod so kalt von Luca DAndrea

Luca D’Andrea: Der Tod so kalt

DVA

14,99 €

Ein Fremder besessen von der Suche nach der Wahrheit!

Es fängt harmlos an

Jeremiah Salinger, erfolgreicher Dokumentarfilmer aus New York, ist seiner Frau Anneliese zu liebe mit ihr und der sehr aufgeweckten 5 jährigen Tochter Clara in deren Heimat Südtirol zurückgekehrt und will sich dort eine einjährige Auszeit gönnen. Werner, der inzwischen verwitwete Schwiegervater wohnt auch in Siebenhoch und hat als junger Kerl mit Freunden die Bergrettung der Region gegründet, deren großer Stolz der eigene rote Rettungshubschrauber ist. Salinger so nennen ihn nicht nur Anneliese seine Frau, sondern alle die ihn mögen ist fasziniert, das ist doch direkt wieder eine Story für ihn und seinen Kumpel Mike. Salinger ist für die Recherche und das Drehbuch zuständig, Mike kümmert sich um das andere.

Das Unglück nimmt seinen Lauf – oder die Stimme der Bestie

Ein normaler Rettungseinsatz, bei dem eine Touristin aus einer Gletscherspalte auf dem Ortler gerettet werden soll scheint zunächst wie das ganz normale Alltagsgeschäft auszusehen, aber es ist warm, zu warm, Ismael, der tollkühne Hubschrauberpilot will nicht landen und seilt nur den Kollegen ab, um die verunglückte Touristin und Manny mit der Winde wieder hochzuziehen. Doch dann kündigt das herannahende Grollen, eine Lawine an und schnappt sich Manny. Die Crew wird das Seil nicht kappen, in den Bergen wird niemand zurückgelassen…..

Am Ende gibt es fünf Tote, Salinger hat als einziger überlebt, total traumatisiert durch den Tod der Kameraden versucht er mit professioneller Hilfe zurück in die Normalität zu kommen. Keine Nacht mehr ohne Alpträume, in der ihn die Stimme der weißen Bestie immer wieder heimsucht. Zusätzlich kämpft er mit Schuldgefühlen und auch die störrischen und eigenbrötlerischen Siebenhochler sind nicht alle immer verständnisvoll und sparen mit Vorwürfen, die hinter Salingers Rücken die Runde machen, nicht.

Ein kluges Kind, eine geheimnisvolle Schlucht und 3 Morde, die lange zurück liegen….

Clara, die Tochter spürt, dass es ihrem Papa sehr schlecht geht, sie ist ein überaus aufgewecktes und lebenskluges kleines Mädchen, auch wenn sie erst fünf Jahre ist. Sie überredet Salinger zu einem Ausflug in die Bletterbach-Schlucht, einem Jahrtausende alten prähistorischen Zoo. Auf der Fahrt dorthin, Clara mit ihren blonden Zöpfen und pastelfarbenen Wanderschuhen neben sich, hat Jeremiah das erste Mal seit langem das Gefühl, es wird wieder gut werden.

Sowohl Vater als auch Tochter sind fasziniert vom Bletterbach, aber die Schlucht hat seit vielen Jahren ein grausames Geheimnis: 1985. Tagelang wütet ein gewaltiges Gewitter über der Bletterbach-Schlucht. Drei junge Einheimische aus dem nahegelegenen Siebenhoch kehren von einer Wanderung nicht zurück – schließlich findet ein Suchtrupp ihre Leichen, aufs brutalste entstellt. Den Täter vermutet man im Bekanntenkreis, doch das Dorf hüllt sich in eisiges Schweigen. Salinger stellt Fragen, aber fast alle im Dorf schweigen. Er ist wie besessen davon, die Morde aufzuklären und gerät immer tiefer in die Sache hinein, weil es für ihn eine Möglichkeit ist, das eigene Trauma zu vergessen.

Wer ist der Autor?

Luca D’Andrea wurde 1979 in Bozen geboren, wo er heute noch lebt. „Der Tod so kalt“ ist sein erster Roman. Direkt zu Erscheinen stieg das Buch in die Top Ten der italienischen Bestsellerliste ein; die Übersetzungsrechte haben sich in rund 35 Länder verkauft. Er ist Lehrer und selbst Dokumentarfilmer, am bekanntesten ist seine TV-Produktion „Mountain Heroes“, in der er für das italienische Fernsehen die Bergrettung porträtierte.

Fazit: Das Buch ist ungeheuer spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Die Kapitel sind sehr kurz, fast wie eine Filmszene und der Autor springt von einem Eindruck zum nächsten. Da musste ich dran bleiben und habe das Buch an einem Tag durchgelesen. Die Charaktere werden authentisch und sympathisch geschildert, ich konnte mich gut mit ihnen identifizieren und das hat dafür gesorgt, dass ich immer weiter lesen wollte. Der Roman hat Tempo, das Ende kommt unerwartet und überraschend. Auch ein Augenzwinkern bleibt bei mir zurück, Jurassic-Park lässt grüßen, vielleicht ein wenig zu dick aufgetragen, mir hat das Buch dennoch sehr gut gefallen, ich fand den Roman ungeheuer spannend, obwohl ich keine ausgewiesene Thriller-Liebhaberin bin.

Anne Jacobs: Die Töchter der Tuchvilla

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Anne Jacobs: Die Töchter der Tuchvilla

Blanvalet Verlag

Preis: 9,99 €

Es geht weiter, in der Tuchvilla, spielt die jüngere Generation jetzt die erste Geige!

Hier handelt es sich um den zweiten Band einer Triologie. Den ersten Band Die Tuchvilla habe ich bereits vor einigen Monaten gelesen. Hier habe ich mich auch gut unterhalten, doch hat mich der Folgeband noch mehr in seinen Bann gezogen.

Hintergrund:

Paul und Marie, das ungewöhnliche Liebespaar (Erbe verliebt sich in ein Küchenmädchen mit besonderem Bezug zum Firmengründer) müssen sich trennen, der erste Welt-Krieg ist ausgebrochen und Paul, wie alle anderen jungen Männer der Familie, muss an die Front. Ihnen bleiben nur Briefe und leidenschaftliche Erinnerungen, sie sind gerade kurz vorher Eltern von Zwillingen geworden, und hoffen vor allem auf ein baldiges Wiedersehen.

Die Villa der Familie Melzer wird trotz Widerstand des Familienoberhauptes und Patriarchen in ein Lazarett verwandelt, wo nicht nur Mutter und Hausdame, sondern auch Pauls Schwester Elisabeth eine Aufgabe findet und ihren penetranten und sehr fordernden adligen aber verarmten Schwiegereltern entfliehen kann. Diese haben sich nämlich bei Elisabeth einquartiert und dreist die ganze Wohnung von Elisabeth und ihrem Mann, Klaus von Hagemann, in Beschlag genommen.

Elisabeths Ehe, um die sie gekämpft hat wie eine Löwin, steht ohnehin unter großem Druck, die Sehnsucht nach einem Kind wächst und zu allem Übel muss sie noch erkennen, dass ihr Mann Klaus nicht der von ihr idealisierte Partner ist.

Protagonisten, die entdecken, was sie wollen und dafür auch kämpfen!

Es gibt sehr viele interessante Entwicklungen in der Fortsetzung und die jungen Menschen in der Geschichte haben sich weiterentwickelt und präsentieren sich in einem ganz anderen Licht. Marie erweist sich als starke Frau, die das Erbe ihres Vaters (ehemals Kompagnon von Pauls Vater und genialer Konstrukteur), fortführen möchte und nicht nur Mutter und Ehefrau sein will.

Elisabeth (Pauls anfangs sehr standesbewusste Schwester) wird mutiger, selbstbewusster, rebelliert gegen ihre Schwiegereltern und findet im Lazarett eine echte Aufgabe und verabschiedet sich mit Unterstützung der Liebe von allen ihren Standesdünkeln. Kitty, Pauls exaltierte Schwester, reift von einer nervigen egozentrischen Person durch Liebe und Verlust zur erwachsenen Frau. Besonders anrührend sind aber die Geschichten von Humbert (Hausdiener in der Tuchvilla) und Hanna (Küchenmädchen), die der Krieg und die Liebe vor große Herausforderungen und Schicksalsschläge stellen.

Fazit:

Anne Jacobs hat es geschafft, die Schrecken des ersten Welt-Krieges in eine Geschichte einfließen zu lassen und die Sorgen und Nöte aller, Herrschaft und Personal, unterhaltsam und mitreißend in eine spannende Geschichte zu verpacken. Der Roman lebt durch die persönliche Identifikation von Lesern und Protagonisten, mir hat das Buch sehr gut gefallen!

Wer schreibt und wie geht es weiter?

Anne Jacobs veröffentlichte bereits unter anderem Namen historische Romane. Ihr Schreibstil ist mitreißend, spannend und sehr unterhaltsam. Die über 700 Seiten haben mich beim Lesen total gefesselt, jetzt muss ich unbedingt wissen wie es weiter geht.