Archiv für den Monat Juli 2017

Bretonisches Leuchten

 

Jean-Luc Bannalec: Bretonisches Leuchten

Kommissar Dupins 6. Fall

Kiepenheuer & Witsch

Preis: 14,99 €

Bretonische Ferien und ein perfides Verbrechen

Zwischen den rosa Granitfelsen der Côte d‘Armor steht Commissaire Dupin vor einer unlösbaren Aufgabe: Es ist Hochsommer, und er soll Ferien machen. Am Strand liegen, nur das Leben genießen – ganze zwei Wochen lang! Für Dupin eine unerträgliche Vorstellung.

Während Claire die Ruhe zu genießen scheint, nutzt Dupin jede Gelegenheit, das Strandhandtuch zu verlassen. Das fabelhafte Abendessen auf der Hotel-Terrasse und die Gerüchte über eine geklaute Heiligenstatue gehören zu den wenigen spannenden Momenten seiner Tage. Doch dann verschwindet eine Frau vor den Augen der Hotelgäste spurlos und es wird ein Anschlag auf eine Abgeordnete verübt, die im Clinch mit den Landwirten liegt. Wenig später erschüttert der Fund einer Leiche den Küstenort. Heimlich nimmt Dupin mithilfe der Dorfbewohner die Ermittlungen auf, schließlich darf Claire nichts mitbekommen, ihm wurde strengste Erholung verordnet. Auch die Kollegen aus Concarneau, allen voran Nolwenn, verweigern ihm ihre Unterstützung und bestehen darauf, dass der Commissaire endlich los lässt und seine Ferien genießt.

Wer ist der Autor?

Jean-Luc Bannalec ist ein Pseudonym; der Autor ist in Deutschland und im südlichen Finistère zu Hause. Die ersten fünf Bände der Krimireihe mit Kommissar Dupin, »Bretonische Verhältnisse«, »Bretonische Brandung«, »Bretonisches Gold«, »Bretonischer Stolz« und »Bretonische Flut« wurden für das Fernsehen verfilmt und in zahlreiche Sprachen übersetzt. 2016 wurde Jean-Luc Bannalec von der Region Bretagne mit dem Titel »Mécène de Bretagne« ausgezeichnet.

Dupin, die Ferien stehen Dir wirklich gut!

Ich gestehe, ich habe bislang alle Dupin-Romane gelesen. Beim ersten war ich hin und weg, den fünften Roman fand ich schwach. Immer wieder dieselben Macken bei allen Protagonisten, Dupin ein kaffeesüchtiger Workaholic, seine überaus kompetenten Assistentin Nolwenn, die wirklich jedes Problem lösen kann und als Garnitur noch die beiden Inspektoren Kadeg, Dienst beflissen und unsympathisch bis zu zum Anschlag und der freundliche Riwal mit seinem Faible für bretonische Geschichte und Mystik.

Nach 5 Büchern möchte man ja nicht immer wieder die gleichen Geschichten und Scherze lesen. Im sechsten Band hat der Autor Dupin Urlaub verordnet, er bekommt damit ganz andere Helfer an die Seite gestellt, Ines die abgeklärte Polizistin, die sich nie in die Karten schauen lässt, ihren Onkel, der Dorf-Friseur, der alles über jeden weiß und auch gerne selbst mal die Strippen zieht und den umtriebigen und sehr redseligen Hotelier Rosmin Bellet, der Dupin den Fall geradezu auf dem Silbertablett serviert. Dupin findet  in dieser Kulisse, die ein herrlich altmodisches und verschlafenes Seebad ist, wieder zu seiner alten Stärke zurück und liefert eine spannende Kriminalgeschichte, bei der ich über diesen kauzigen Kommissar auch wieder schmunzeln kann, inklusive der Sondereinlage von Nolwenn, die von Dupin trotz Verbot von Claire, zum Eingreifen in den Fall verführt wird und einen filmreifen Auftritt hinlegt.

Claire, die Partnerin von Dupin, lernen wir in diesem Buch endlich besser kennen, und sie scheint es faustdick hinter den Ohren zu haben, wenn es darum geht ihren George zu täuschen! Nur gut, dass er ihr da in keiner Weise nachsteht und so liefern die zwei sich ein gegenseitiges Täuschungsmanöver, dass manchmal leider ein bisschen in Slapstick Komik abdriftete, was im Besonderen auch für den Gastauftritt von Nolwenn gilt, weil der Autor  in meinen Augen hier einfach zu viel gewollt hat. Zum Glück wurde aber in diesem Buch auf eine stark überzeichnete bretonische Mystik verzichtet, die für mich den Lesegenuss im fünften Band eingeschränkt hat.

Fazit: Ich habe mich gut unterhalten Dupin, Ferien stehen dir einfach gut, solltest Du Dir nicht nur alle Jubeljahre mal gönnen, ich wünsche mir aber auch, dass du uns auch neue Facetten an Dir zeigst, denn auch ein starrsinniger Kommissar sollte mal was neues wagen! Hier scheint der Anfang gemacht worden zu sein, wenn man den Andeutungen am Ende des Buches glauben kann. Ich bin gespannt, wie es weitergeht!

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Metchild Borrmann: Trümmerkind

Metchild Borrmann: Trümmerkind

Droemer Verlag

Preis:19,99 €

Eine Geschichte auf drei Ebenen!

Auf drei Zeitebenen erzählt die Autorin ihre Geschichte: 1945, 1947 und 1992:

In ihrem Herrenhaus in der Uckermark erlebt Familie Anquist das Ende des Zweiten Weltkriegs und flieht schließlich vor den sowjetischen Besatzern von ihrem Gut.

Hanno Dietz schlägt sich mit seiner Mutter und Schwester  im Hamburg der Nachkriegsjahre durch: Steine klopfen, Altmetall suchen, Schwarzhandel – das ist sein Alltag. Eines Tages entdeckt er in den Trümmern eines verlassenen Hauses eine Tote – und etwas abseits einen etwa dreijährigen Jungen, der erstaunlich gut gekleidet ist. Das Kind spricht kein Wort, Verwandte sind nicht auffindbar. Und so wächst das Findelkind bei den Dietzens auf, die obwohl sie selbst nur das nötigste haben, dieser verstörten Seele Halt und Geborgenheit geben können.

1992 will Joost das Geheimnis seiner Herkunft ergründen. Und auch Anna Meerbaum, laut ihrer Mutter eine Nachfahrin jener Anquists aus der Uckermark, ist einem dunklen Familiengeheimnis auf der Spur, scheitert aber immer wieder an ihrer Mutter, die jedem Gespräch über die die Nazi-Herrschaft und die Zeit nach dem Krieg rigeros ausweicht und die Tochter mit Hilfe eines schlechtem Gewissens zum Aufgeben zwingen will. Erst Jahre später kommt das einstige Trümmerkind Hanno durch Zufall einem Verbrechen auf die Spur, das auf fatale Weise mit seiner Familie verknüpft ist:

Historischer Hintergrund:

Es ist ein authentischer Kriminalfall, der dem Roman zu Grunde liegt: die sogenannten Trümmermorde aus dem Jahr 1947. Vier Menschen sterben damals in Hamburg auf rätselhafte Weise, alle wurden an unterschiedlichen Fundorten entdeckt, alle sind erdrosselt worden und alle waren nackt, sodass man davon ausgehen kann, dass es sich um eine Mord-Serie gehandelt hat, und das die Täter dieselben waren. Erstaunlicherweise waren diese Menschen gut genährt,  – eine Frau hatte sogar lackierte Nägel und blondiertes Haar.

Fazit: Trümmerkind ist ein sauber recherchierter Kriminalfall Für ihren Roman hat Mechtild Borrmann mit Zeitzeugen gesprochen, Schauplätze besucht und in den Akten des Hamburger Staatsarchivs recherchiert. Historische Reportage und Detektivgeschichte verbinden sie hier gekonnt, besonders bei der Beschreibung einzelner Bildern, Situationen, Stimmungen zeigt die Autorin für mich ihre ganze Stärke und schafft es, dass man bewegt den Atmen anhält und immer weiter lesen muss, bis die ganze Geschichte um Hannos Herkunft endlich auf dem Tisch liegt. Dieser Roman ist großes Kino, ich habe mich vortrefflich unterhalten.

Rita Falk: Weißwurst-Connection

Rita Falk: Weißwurst-Connection

Deutscher Taschenbuchverlag

Preis: 15,90 €

Von Hotelbesitzerinnen in Nöten und Spezlwirtschaft……

Nieder Kaltenkirchen hat nach langem Hin und Her endlich ein schickes Hotel. Der Heimat-Winkel hat nicht nur die Stimmung im Dorf gespalten in Befürworter und Gegner, sondern auch seinem Besitzer einiges abverlangt. Der gute Mann hat leider das zeitliche gesegnet und die Witwe steht deshalb mächtig unter Druck was den wirtschaftlichen Erfolg angeht.

Eberhofers Spezln der Heizungsfuscher und der Metzger haben sich für ihre Geschäfte einiges mehr erwartet, aber man hat sich arrangiert. Der geplante Esoterik-Kongress sorgt das erste Mal für ein ausgebuchtes Haus, dumm nur, dass man kurz vorher die Leiche des Bauleiters in einer Hotelbadewanne findet. Frau Grenzbach, die Witwe das Hoteliers ist mit ihren Nerven am Ende und bittet ihre rechte Hand, Hr. Nüters, die Leiche diskret und vor allem unbemerkt von den esoterischen Gästen, abtransportieren zu lassen.

Stammleser werden sich wundern, aber Franz ist da die erste Wahl, wenn es um einen diskreten Komplizen für den Leichenabtransport geht. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut, denn eigentlich ist er ja als Dorf-Rambo bekannt. Natürlich vertraut er dabei auf alte Kumpane, die ihm schon immer in delikaten Angelegenheiten sehr nützlich waren. Der Richter Moratschek mit seiner Schnupftabak-Dosen, Günther, der Leichenfledderer und Rudi, ehemaliger Kollege und heute als Privatdetektiv tätig, erweisen sich dabei mal wieder mehr als nützlich. Rudi quartiert sich als Seminarteilnehmer im Hotel ein, um sich unerkannt dort mal umzuschauen. Seine Tarnung ist perfekt, rosa Jogging-Anzug und Klangschalen, verlangen dem Franz das äußerste an Toleranz ab.

Privat deutet sich auch eine Wende im Leben des Dorf-Scheriffs an, die Susi, sein Herzblatt, muss mit Paul dem gemeinsamen Sohn zeitnah  aus ihrer Wohnung ausziehen. Die Oma kann nicht nur kochen, sondern auch rechnen und schlägt deshalb vor gleich im Garten zu bauen. Aber bevor Franz sich mit seinem Oberschleimer-Bruder, Leopold, ein Doppelhaus teilt, muss einiges passieren und das tut es dann auch, inklusive der Tatsache, dass am Ende sogar der Papa wieder aus Spanien zurück ist.

Franz krieg endlich Dein Leben in den Griff!

Ich gestehe ich habe alle Eberhofer-Romane gelesen, 6 mal mit großem Genuss und immer mit einem Schmunzeln im Gesicht, beim letzten Mal habe ich durchgehalten und eine Formschwäche für die zähe Langeweile gehalten, gegen die ich angekämpft habe. Leider ist es nur kurz ein wenig besser geworden, es lag also nicht an der auserzählten Geschichte um den Papa. Franz ist das Problem – der lebt seit Jahren in einer On-Off Beziehung mit der Kindsmutter von Paul seinem Sohn und will sich offenbar nicht binden und hat dafür alle möglichen Ausreden parat. Diese Figur entwickelt sich nicht weiter und deshalb werden um ihn herum alle weiteren Protagonisten blass und die Lebendigkeit der Geschichte ist total erstarrt. Schade ich hatte hier endlich mal wieder auf köstliche Unterhaltung gehofft, Fehlanzeige. Es wäre schönen, wenn man Franz mal eine Auszeit gönnen würde, es hat keinen Sinn, sich alle zwei Jahre mit Ach und Krach eine müde Story auszudenken.

Fazit oder ich möchte es noch mal wissen – aber bitte erst zu Hause aufräumen Franz!

 Für mich diesmal nur 2 Sterne würdig, zu abgedroschen die Protagonisten, nichts Neues keine lebendige Entwicklung in Sicht, sondern immer wieder dasselbe, das halten auch die treuesten Lesern nicht auf Dauer aus. Ich glaube die Autorin sollte einfach dem Franz mal eine Pause gönnen oder wirklich radikal etwas an der Figur ändern. Nur Mut Frau Falk Menschen entwickeln sich weiter und auch Lesern ist es zuzumuten, dass der Franz auch mal neue Facetten zeigt. Ich wäre dabei und viele andere sicherlich auch, wenn sie dem Franz einfach ein bisschen Zeit gönnen, damit er sein Leben und seine Familie auf die Reihe kriegen kann und uns stattdessen mit anderen Geschichten überraschen. Wenn Franz dann als geläuterter Familienvater wieder aus dem Off-Kommt, werden wir ihn vermisst haben………