Archiv der Kategorie: Dromer

Nicole Staudinger: Stehauf-Queen

Nicole Staudinger: Stehauf-Queen

Verlag Droemer Knaur

Preis: 14,99 €

Dem Schicksal elegant die Stirn bieten!

Wer ist die Autorin?

 

Nicole Staudinger, geboren 1982, ist Unternehmerin und Mutter von zwei Söhnen. Mit 32 Jahren erhielt sie, kurz nachdem sie sich mit der Idee „Schlagfertigkeitsseminare für Frauen“ selbstständig gemacht hatte, die Diagnose Brustkrebs. Anstatt aufzugeben, begann sie zu schreiben – und wurde mit ihren ehrlichen und mutmachenden Büchern über Nacht zur Bestsellerautorin. Neben ihrer Arbeit als Autorin und Trainerin engagiert sie sich heute als Botschafterin für Pink Ribbon Deutschland.

 Was tun wenn es einen so richtig kalt erwischt hat?

 oder „»Jeder Jeck ist anders!«

 Jeder erlebt einmal Rückschläge, Krisen oder doofe Tage. Doch woran liegt es, dass die einen daran zerbrechen und die anderen scheinbar locker damit fertig werden? Und was ist eigentlich ein Schicksalsschlag, was eine Lappalie – und wer bestimmt das? Resilienz heißt das neue Modewort und meint unsere Fähigkeit, mit den unterschiedlichsten Problemen im Leben fertigzuwerden. Nicole Staudinger weiß, wovon sie spricht: Mit Anfang Dreißig erhält die Mutter zweier kleiner Kinder die niederschmetternde Diagnose Brustkrebs. Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, lernt sie zu kämpfen und schmeißt „Karl Arsch“ mit der Hilfe von lieben Menschen, Ärzten und Profis wieder aus ihrem Lebenshaus hinaus. Dem Typ ist es nicht gelungen Nicole in die Knie zu zwingen, denn sie entdeckt in der Zeit ihrer Erkrankung die Stehauf-Queen  in sich. Heute ist Nicole Staudinger geheilt und erfolgreiche Trainerin und Autorin. In diesem zutiefst persönlichen Buch, in dem sie uns ihre Geschichte erzählt, aber auch von den Prüfungen der Eltern und Großeltern berichtet, denen das schlimmste widerfahren ist was Eltern passieren kann, sie haben ein Kind verloren, macht sie ihren Leserinnen Mut, sich nie unterkriegen zu lassen und immer einmal mehr wieder aufzustehen, als man in die Knie gezwungen wurde. Dem Leben mit Humor und Zuversicht zu begegnen, ist ihre Antwort auf die Widrigkeiten des Lebens, die einem mal so richtig kalt erwischen können, meistens zu einer Zeit, wenn man damit gar nicht rechnet und sich darauf auch nicht vorbereiten konnte.

Manchmal ist ein Kaffee mit der Freundin hilfreicher als die Sitzung beim Profi!

Dieses Buch ist kein medizinisches oder psychologisches Nachschlagewerk. Es sind einfach Erfahrungsberichte und Beobachtungen aus Nicole Staudingers Alltag, etwas mit dem ihre Familie zurechtkommen musste oder etwas, das Menschen getroffen hat, die sie gut kennt und denen sie herzlich verbunden ist. Nicole zeigt am Ende jeder Geschichte, mit welchen kleinen Ankern es diesen Menschen gelungen ist, die Perspektive zu wechseln und den freien Fall auszubremsen und das Kopf-Kino umzuprogrammieren oder zumindest auszuschalten. Es geht in diesem wirklich sehr alltagstauglichen Ansatz nicht nur um Verlust oder lebensbedrohende Krankheiten, sondern auch um die vielen kleinen Nöte des Alltags, Krisen im Job und auch den ganz normalen Liebeskummer.

Jeder noch so kleine Schritt ist wichtig, gibt halt und verändert die Perspektive!

Staudinger will nicht missionieren oder schwingt sich zur Lebenshelferin auf. Ihre Lösungen sind praktischer Natur, sie ist keine allwissende Therapeutin Visasvis, sondern sitzt mit uns als gute Freundin am Küchentisch bei einem Kaffee: Ratschläge (Denn es sind und bleiben Schläge! die mit »Du musst …« beginnen.) möchte sie keine geben, Nicole zeigt nur sehr plastisch und wirklich sympathisch auf, wie sie und andere wieder Licht in den dunklen Tunnel bekommen haben. Daher bestimmen wir selbst, was wir aus diesem Buch und seinen vielen kleinen Geschichten mitnehmen wollen. Nach jedem Kapitel zeigt die Autorin mit welchen Schritten sie selbst, ihre Familie und andere  es geschafft haben, sich vom Boden wieder kräftig abzustoßen.

Fazit: Staudingers Ratschläge sind so einfach wie profan und doch wie eine herzliche Umarmung einer guten Freundin, die sich selbst auch Schritt für Schritt wieder nach oben gekämpft hat. Mal wird einfach drüber geschlafen oder ein anderes Mal die Musik laut aufgedreht und kräftig mitgesungen. Sie zeigt, wo das Jammern nichts nützt, aber wo wir auch mal die Drama-Queen auf die Bühne lassen dürfen, damit sich andere nicht daran gewöhnen, dass wir immer als Problemlöser parat stehen. Nicole Staudingers fängt am Küchentisch an und zitiert uns nicht in die Praxis, um dann ganz schlau zu erklären, wie es zu dieser Krise kommen konnte. Sie ist die gute Freundin, die mit Witz, Charme, Humor und jede Menge Power, kleine Anker auswirft, an denen man sich Tag für Tag entlang hangeln kann, damit es gelingt, die Perspektive zu verändern und der Mut zurück kommt, sich vom Boden, auf dem wir gelandet sind, auch kräftig wieder abzustoßen zu können. Ich mag die sehr authentische und herzfrischende Art, wie in diesem Buch, die große Unbekannte „Resilienz“ auf sehr anschauliche und alltagstaugliche Art vorgestellt wird, so dass sich jeder etwas davon abschneiden kann.

 

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Metchild Borrmann: Trümmerkind

Metchild Borrmann: Trümmerkind

Droemer Verlag

Preis:19,99 €

Eine Geschichte auf drei Ebenen!

Auf drei Zeitebenen erzählt die Autorin ihre Geschichte: 1945, 1947 und 1992:

In ihrem Herrenhaus in der Uckermark erlebt Familie Anquist das Ende des Zweiten Weltkriegs und flieht schließlich vor den sowjetischen Besatzern von ihrem Gut.

Hanno Dietz schlägt sich mit seiner Mutter und Schwester  im Hamburg der Nachkriegsjahre durch: Steine klopfen, Altmetall suchen, Schwarzhandel – das ist sein Alltag. Eines Tages entdeckt er in den Trümmern eines verlassenen Hauses eine Tote – und etwas abseits einen etwa dreijährigen Jungen, der erstaunlich gut gekleidet ist. Das Kind spricht kein Wort, Verwandte sind nicht auffindbar. Und so wächst das Findelkind bei den Dietzens auf, die obwohl sie selbst nur das nötigste haben, dieser verstörten Seele Halt und Geborgenheit geben können.

1992 will Joost das Geheimnis seiner Herkunft ergründen. Und auch Anna Meerbaum, laut ihrer Mutter eine Nachfahrin jener Anquists aus der Uckermark, ist einem dunklen Familiengeheimnis auf der Spur, scheitert aber immer wieder an ihrer Mutter, die jedem Gespräch über die die Nazi-Herrschaft und die Zeit nach dem Krieg rigeros ausweicht und die Tochter mit Hilfe eines schlechtem Gewissens zum Aufgeben zwingen will. Erst Jahre später kommt das einstige Trümmerkind Hanno durch Zufall einem Verbrechen auf die Spur, das auf fatale Weise mit seiner Familie verknüpft ist:

Historischer Hintergrund:

Es ist ein authentischer Kriminalfall, der dem Roman zu Grunde liegt: die sogenannten Trümmermorde aus dem Jahr 1947. Vier Menschen sterben damals in Hamburg auf rätselhafte Weise, alle wurden an unterschiedlichen Fundorten entdeckt, alle sind erdrosselt worden und alle waren nackt, sodass man davon ausgehen kann, dass es sich um eine Mord-Serie gehandelt hat, und das die Täter dieselben waren. Erstaunlicherweise waren diese Menschen gut genährt,  – eine Frau hatte sogar lackierte Nägel und blondiertes Haar.

Fazit: Trümmerkind ist ein sauber recherchierter Kriminalfall Für ihren Roman hat Mechtild Borrmann mit Zeitzeugen gesprochen, Schauplätze besucht und in den Akten des Hamburger Staatsarchivs recherchiert. Historische Reportage und Detektivgeschichte verbinden sie hier gekonnt, besonders bei der Beschreibung einzelner Bildern, Situationen, Stimmungen zeigt die Autorin für mich ihre ganze Stärke und schafft es, dass man bewegt den Atmen anhält und immer weiter lesen muss, bis die ganze Geschichte um Hannos Herkunft endlich auf dem Tisch liegt. Dieser Roman ist großes Kino, ich habe mich vortrefflich unterhalten.