Archiv der Kategorie: Krimi

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Flut

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Ein Kommissar als Reiseführer – nebenbei werden zwischendurch auch noch 2 Morde aufgeklärt!

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Flut

KiWi-Paperback
ISBN: 978-3-462-04937-4
Erschienen am: 28.06.2016
448 Seiten, Klappenbroschur
Kommissar Dupin ermittelt
Bandnummer 5

Ohne Kaffee läuft es nicht rund!

Kommissar Dupin hat es aber wirklich nicht leicht, um 04:49 Uhr ereilt ihn ein Anruf, dass in der Fisch-Auktionshalle in Douarnenez eine weibliche Leiche in einem Abfallcontainer mit Fischabfällen gefunden wurde. Die junge Fischerin von der Île de Sein wurde regelrecht abgeschlachtet und auch die Fundstelle zwischen stinkenden Fischabfällen, ist eine echte Herausforderung! Zu allem Übel noch ohne einen Kaffee und auf nüchternen Magen ein echter Stimmungsdämpfer, denn Dupin ohne Kaffee, das geht gar nicht! Entsprechend chaotisch und hektisch laufen die Ermittlungen an, weil weit und breit kein Motiv in Sicht ist und der Ermittler entweder auf eine Wand des Schweigens trifft, wie bei der nicht besonders kooperativen Hafenchefin Madame Gochat oder auf viele Gerüchte stößt, die sich um den Patron der Fischer von Douarnenez ranken, mit dem sich die junge und engagierte Frau angelegt hatte.

Den Gewalten des Meeres und bretonischen Legenden ausgeliefert!

Wenig später erreicht Dupin die Meldung, dass auf Île de Sein eine weitere Fraueneiche gefunden wurde. Dupins Laune bessert sich nicht, da er nun auch noch gezwungen ist, gemeinsam mit Inspektor Riwal auf die Insel überzusetzen. Denn dem Kommissar, einem großen Bewunderer des gewaltigen Atlantiks, wird nicht selten flau im Magen, wenn er diesen Gewalten direkt ausgesetzt wird und das Meer nicht vom sicheren Festland huldigen kann. Die Insulaner entpuppen sich zudem als waschechte Bretonen, genährt von Aberglauben und Legenden, herrscht auf Sein eine ganz besondere Atmosphäre der Dupin sich nur schwer entziehen kann. Sein Assistent, Riwal, profunder Kenner der bretonischen Geschichte und Mystik, lässt keine Gelegenheit ungenutzt, sein Wissen mitzuteilen und trägt damit einen entscheidenden Teil dazu bei, dem Fall eine rätselhafte und okkulte Stimmung zu verleihen und seinem nüchternem Chef damit gehörig auf die Nerven zu gehen. Aber Riwal macht sich Sorgen um Dupin, den ein schlechtes Omen auf Sein ereilt.

Viele Spuren, aber weder ein braubares Motiv noch ein Täter in Sicht!

Beide Frauen haben auf der Île de Sein gelebt und obwohl sie einander kannten und gemeinsam beim Fischen gesehen wurden, lässt sich trotz des großen Engagements des Kommissars keine brauchbare Erklärung zu Täter und Motiv finden. Unter Hochdruck ermittelt der Kommissar im äußersten Westen der Bretagne und es stellen sich viele Fragen: Werden die alten Schmugglerrouten auf dem Atlantik wieder befahren? Gibt es Beweise für illegale Aktivitäten im Parc Iroise, dem einzigartigen maritimen Naturschutzgebiet, wo Delfine und Wale zu Hause sind? Und was ist von den Mythen des Meeres zu halten, von denen die stolzen Insulaner erzählen?

Ein weiter Mord bringt Dynamik und ein fulminantes und rätselhaftes Ende!

Als es zu einem dritten Mord kommt, wird der Fall zunehmend rätselhafter. Da Dupin und sein Team auf der Suche nach einem Tatmotiv nicht weiterkommen, konzentrieren sich diese darauf, dass enge Zeitfenster in dem die Taten verübt wurden zum Ermittlungs-Fokus zu machen. Dies reduziert zwar die Anzahl der möglichen Täter erheblich, bringt Dupin und sein Team aber keinen entscheidenden Schritt weiter. Die Ermittlungsarbeiten werden zu einem ständigem Hin- und Her zwischen Insel und Festland und enden schließlich in einer abenteuerlichen Verfolgungsjagd. Trotz der Überführung des Täters wird der Fall nicht vollständig aufgeklärt und Dupin wird selbst Opfer der bretonischen Mythen und Legenden und muss akzeptieren, dass sich in der Bretagne nicht immer alles rational erklären lässt.

Fazit:

Eindrucksvolle Landschaftsbeschreibungen mit kulinarischen Highlights konkurrieren mit dem Kriminalfall und lassen ihn nur die zweite Geige spielen. Für echte Krimiliebhaber, die nicht schon Fans von dem schrulligen Dupin und seinen Helfern sind, sicherlich nicht der richtige Band, um diese für die Dupin-Krimis zu begeistern, für Bretagne-Fans ein interessanter Reise- und Geschichtsführer und für die Fans des Kommissars – wie mich – natürlich  mal wieder eine nette Begegnung, auch wenn wir mit Dupin schon bessere Zeiten erlebt haben. Mir hat es trotzdem gut gefallen und ich habe mich gefreut mal wieder vergnügliche Stunden mit Dupin und seinem Team zu verbringen, das spart mir den Urlaub in der wunderschönen Bretagne und ist ebenso erholsam und unterhaltsam für mich!

 

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Charlotte Link: Die Entscheidung

Die Entscheidung von Charlotte Link

Die Entscheidung von Charlotte Link

Charlotte Link: Die Entscheidung

Blanvalet Verlag

22,99 €

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag

ISBN: 978-3-7645-0441-0

Erschienen: 05.09.2016

Eine falsche Entscheidung und das Schicksal nimmt seinen Lauf….

 Eine Geschichte auf mehreren Ebenen

Simon, 40, geschieden ist ein sogenannter „Gutmensch“ Die Exfrau ist längst anderweitig verbandelt und doch wenn diese kurzfristig die gemeinsamen Kinder loswerden will, Simon ist immer da, stets hilfsbereit bis zur Selbstaufgabe und bloß keine Konflikte eingehen. Seine neue Freundin, Kristina, eine selbstbewusste und erfolgreiche Frau nervt das gewaltig, Kristina möchte nämlich, dass Simon sich endlich zu ihr bekennt, daraus wird allerdings erstmal nichts, denn dieser fürchtet, die Kinder zu verunsichern. Seine Ex-Frau hat diesmal zu Weihnachten aber andere Pläne und so fällt der Weihnachts-Urlaub, im Ferienhaus von Simons gestrengem Vater in der Provence, mit den Kindern ins Wasser, denn die haben urplötzlich keine Lust dazu. Auch Kristina, die Neue, hat so langsam die Nase voll und möchte nicht nur Lückenbüßerin sein.

Schließlich muss Simon allein fahren und bei einem einsamen Strandspaziergang wird er, Zeuge einer Auseinandersetzung zwischen einer jungen, völlig abgemagerten und abgerissenen Frau und den Hausmeistern einer Ferien-Appartement-Anlage, die diese nach einem Einbruch auf frischer Tat ertappt haben. Simon tut Nathalie einfach leid, es regnet in Strömen und das Mädel sieht aus, als wenn es schon lange nichts richtiges mehr zu essen bekommen hat, deshalb entschließt Simon sich kurzerhand und sehr spontan, Nathalie auszulösen und diese für eine Nacht auch bei sich übernachten zu lassen.

In Sofia fällt zu gleichen Zeit Selina auf die Versprechungen eines jungen Mannes herein, der ihr schmeichelt und in Aussicht stellt, dass sie mit ihrem Aussehen, sehr schnell viel Geld als Fotomodell in Rom verdienen kann……

Es muss nicht immer England sein…..

Bislang habe ich fast jeden Krimi von Charlotte Link gelesen, England als Handlungsort ihrer Romane fand ich eigentlich immer sehr passend für die Story gewählt. „Die Entscheidung“ ist allerdings der dritte Roman von ihr, der nicht in England, sondern in Frankreich spielt. Die Provence als Schauplatz hat aber gar nichts mit dem Ort zu tun, der uns in Urlaubsprospekten mit strahlend blauem Himmel, ebenso blauem Meer und noch blaueren Lavendelfeldern als Sehnsuchtsort verkauft wird. Kurz vor Weihnachten präsentiert sich das Urlaubsparadies verregnet, trostlos, neblig, ohne Licht und ohne Farben, ganz schön düster und manchmal sehr bedrückend.

Außerdem gibt es einen sehr aktuellen Zeitbezug, der Roman spielt kurze Zeit, nach den Anschlägen, die im vergangenen November Paris und ganz Frankreich erschüttert haben. Die Autorin beweist hier sehr viel Fingerspitzengefühl, weil es ihr gelingt, diese verstörende Stimmung, die das ganze Land lähmte, geschickt und authentisch in ihre Handlung einfließen zu lassen. Auch das trostlose Leben ohne echte Chancen und Perspektiven in der bulgarischen Hauptstadt, kann sie einfühlsam und ohne Klischees transportieren.

Normalität und Verbrechen, sind nicht weit entfernt, wenn man einmal falschen abgebogen ist….

Alle Protagonisten sind keine Gewinnertypen, da ist Simon der schlecht nein sagen kann, sich immer wieder fragt, was die Ex-Frau, die Kinder oder der fordernde Vater von ihm denken, wenn er das eine tut oder das andere unterlässt und dabei eigentlich immer selbst auf der Strecke bleibt. Außerdem Nathalie, eine junge Frau aus einer zerrütteten Familie mit einer alkoholkranken Mutter, hält ihr Leben nur aus, weil sie sich aus diesem Chaos in die Magersucht flüchtet. Erst ihr Freund, Jerome, den sie über alles liebt und für den sie alles tun würde, schafft es, dass sie langsam wieder Hoffnung schöpft….

Spannend bis zum Schluss!

Die unterschiedlichen Perspektiven und Handlungsstränge sind am Anfang erstmal ein wenig ungewöhnlich machen das Buch aber so spannend, wie ich es eigentlich noch nie bei Charlotte Link erlebt habe. Alles verdichtet sich, die Dinge und Menschen, von denen man am Anfang geglaubt hat, das hat nichts miteinander zu tun, bekommen unter dem Druck der Ereignisse nicht nur Risse, sondern es wird klar, dass es alles andere als Zufall war, dass sie Täter oder Opfer oder ein Teil des Geschehens wurden. Es gibt immer wieder Indizien, dass hier etwas nicht stimmt, jeder angedeutete Hinweis löste in mir den Wunsch aus, der Sache schnell auf den Grund zu gehen und ich habe das Buch nahezu in einem Tag zu Ende gelesen.

Fazit: Für mich ein ungeheuer spannendes Buch und der beste Krimi, den ich von Charlotte Link bisher gelesen habe. Ihre Gangart ist ein wenig härter und kompromissloser geworden, sie ist in diesem Roman endlich beim Krimi angekommen, ohne dass sie ihre bisherigen Leserinnen verschreckt oder enttäuscht, den die Akteure sind Menschen wie Sie und ich und man kann sich wunderbar mit ihnen identifizieren. Man möchte unbedingt wissen, wie es weiter geht mit Simon, ob er es endlich schafft, mal nicht nett zu sein und stattdessen an sich zu denken oder ob Nathalie sich traut, genau hin zu sehen. Der Autorin, ist hier ein sehr spannender Krimi gelungen, den ich geradezu verschlungen habe. Der beste Roman, den ich von ihr bisher gelesen habe!

Rita Falk: Leberkäsjunkie

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dtv premium

Taschenbuch 15,90 €

erschienen am 22. Januar 2016

„Eberthofer leider nicht in Bestform!

 Worum geht’s?

 Der Dorf-Scheriff ist zurück!

 In Niederkaltenkirchen hat es gebrannt. Ausgerechnet bei der „Mooshammer Liesl“, die aber gerade zum Wellness-Urlaub im Allgäu weilte. Die „Mooshammerin“ mit ihrer Ratschen bleibt uns also erhalten, dumm nur, dass Saskia Grimm, als Liesels Pensionsgast, leider nicht so viel Glück hatte. Schnell stellt sich heraus, dass Saskia Grimm ermordet wurde und das Feuer erst später gelegt wurde, um die Tat zu vertuschen. Die „Mooshammerin“ komplettiert jetzt die Eberhofer-WG, denn irgendwo muss sie ja auch Unterschlupf finden, auch wenn Franz alles andere als begeistert davon ist.

Zu allem Unglück muss der Franz auch noch die Schwarze Perle, Buengo, des FC Rot-Weiß Kaltenkirchen als Tatverdächtigen verhaften, was dem Bürgermeister gar nicht schmeckt und deshalb muss der Franz auch wieder als Dorf-Scheriff die Aufklärung übernehmen. „Simmerls-Max“ hat eh besseres zu tun und busselt dauernd mit der Mia, die die Schwangerschafts­vertretung für die Susi, Franz bessere Hälfte, übernommen hat, rum.

Nix mehr mit einem reschen Schweinsbraten mit Knödeln!

Zu allem Unglück hat der Dr. Brunnermeier festgestellt, dass die Cholesterin-Werte des Dorf-Rambos von Niederkaltenkirchen ein gefährliches „all-time-high“ erreicht haben und da lässt die Oma nicht mit sich spaßen, jetzt steht regelmäßig ein Smoothie auf dem Frühstückstisch und statt Schweinsbraten mit Knödeln ist jetzt ein Gemüsecurry angesagt.

Papa auf Freiersfüßen und der Rudi kann‘s auch nicht lassen….

Niemand hätte das noch mal für möglich gehalten, aber im siebten Band erwischt Amor den Eberhofer-Papa komplett, auch wenn sich niemand hat vorstellen können, dass er jemals über den Tod der Mutter hinwegkommt.

Rudi, Eberhofers Spezi, ist natürlich auch wieder dabei und nervt den Franz schon arg nicht nur mit seinen unsäglichen Liebesbekundungen, sondern auch mit gesunden Snacks.

 Meine Meinung – oder alles dabei, was vortreffliche Unterhaltung verspricht?

Vorweg, Rita Falk hat sich redlich Mühe gegeben, doch zündet die Story bei mir nicht richtig. Die Charaktere bleiben leider hölzern und haben nichts von dem Charme der vergangenen Bücher, besonders die Oma und der Papa haben schon bessere Tage erlebt.

Zudem zieht sich der Krimi-Plot zäh dahin und wirkte irgendwie konstruiert.

Auch Franz ist alles andere als in Best-Form, was ich gerne, seinem angeschlagenen Zustand zu Gute schreibe und dem nach wie vor ungeklärtem Verhältnis mit seinem Herzblatt Susi.

Fazit: Ich habe das Buch trotzdem ganz gern gelesen, denn ich bin ein eingefleischter Eberhofer-Fan und so schnell wird man mich nicht los! An die Erfolge „Winterkartoffelknödel“, „Dampfnudelblues“, „Schweinskopf al dente“ und „Grießnockerlaffäre“ kommt der 7. Band aus der Eberhofer-Reihe leider nicht heran.

Dora Heldt: Böse Leute

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Dora Heldt: Böse Leute

dtv premium

Taschenbuch 14,90 €

erschienen am 19. Februar 2016

Bei Amazon bestellen

Ein pensionierter Polizei-Chef, der nicht loslassen kann, lauter Einbrüche bei den Alteingesessenen und die eine oder andere Liebesgeschichte…..

Sylt wird von einer Einbruchserie erschüttert, komisch nur das die Einbrecher sich nicht auf lukrative Luxus-Villen konzentrieren, sondern es auf die Häuser von alleinstehenden Witwen abgesehen haben. Meistens wird auch nichts gestohlen, sondern die Diebe haben es auf Verwüstung und Zerstörung abgesehen.

Ein bewährtes Team am Start – oder eine Autorin, die sich selbst treu bleibt!

Inge, Onno, Charlotte und Karl, der gerade pensionierte Ex-Polizei-Chef von Sylt, sind Chor-Kollegen und auch sonst befreundet und einander herzlich verbunden. Deshalb lässt sich die Truppe auch von Karl dazu überreden, eigene Nachforschungen anzustellen, schließlich ist auch bei einer Chorschwester eingebrochen worden. Karl glaubt nämlich, die Polizei hat das nicht im Griff, weil es so gar keine Fortschritte bei den Ermittlungen gibt. Kein Wunder, sein Nachfolger kommt von der Ostsee und ist obendrein noch sehr unsympathisch. Walther und Heinz besuchen derweil ein Immobilien-Seminar in Hamburg und bringen Christine über kurz oder lang zur Weißglut.

Alles beim alten – oder eine blutrünstige Story muss nicht sein!

Alle Protagonisten gehören zum bekannten Set anderer Romane von Dora Heldt, die ich leider nicht kannte, die ich aber sofort in mein Herz geschlossen habe. Ich werde das schnell nachholen müssen, denn sie haben mich schon hier sehr amüsiert.

„Böse Leute“ ist ihr erster Krimi, wobei die Autorin sich hier selbst treu bleibt und es Gottseidank bei einer Kriminalkomödie belässt, als daraus eine blutrünstige Story zu machen.

Und sonst?

Liebe natürlich, ohne die geht es bei Dora Held nicht: Maren, die Tochter von Onno ist gerade auf die Insel zurückkehrt, nachdem sie von ihrem Freund verlassen wurde und deren Versetzung auf die Polizei-Dienststelle Sylt überraschender Weise sehr schnell geklappt hat. Ihre Freundin aus Kindertagen, Rike, die beim beim Umzug und einleben auf der Insel hilft, ist auch noch auf der Suche nach „Mr. Right“. Und Onno, Marens Vater, ist seit einigen Jahren verwitwet und nur schwer über den Tod seiner Frau hinweg gekommen. Maren macht sich Sorgen, wenn die wüste, dass sie das gar nicht muss und auch Onno seine Tochter gerne wieder glücklich sehen möchte.

War`s das schon? – oder eine moderne Geschichte!

Nein, denn die Autorin versucht ja immer auch Themen in ihre Romanhandlung zu integrieren, die uns alle gerade bewegen und auch hier haben die Nebendarsteller mit Kaufsucht, Jugendwahn und allerlei mehr zu tun.

Fazit: Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, als ich letzte Woche krank im Bett lag und mich köstlich unterhalten! Ich mag einfach den liebevollen Blick der Autorin auf ihre Protagonisten, die mich mit ihrem herben Charme immer an meine norddeutsche Heimat erinnert haben und ich will auch gerne ein Happy End!

Ingrid Noll: Der Mittagstisch

978-3-257-06954-9 (2)

Ingrid Noll: Der Mittagstisch

Diogenes Verlag

Preis: 22,– €

Gebundene Ausgabe

Bei Amazon bestellen

 „Das Böse kommt auf leisen Sohlen……“

 Inhalt:

Nelly ist gerade erst von ihrem Freund sitzengelassen worden. Um sich und ihre Kinder über die Runden zu bringen, zieht sie erst einmal in das ererbte Haus ihrer Großeltern um. Durch Zufall entsteht dort ein munterer „Mittagstisch“ – erst für Freunde, später auch für zahlende Gäste, auch wenn sie das Finanzamt nicht über diese Einnahmequelle informiert. Das Konzept funktioniert und Nelly avanciert zur Gourmetköchin. Unter ihrer Kundschaft sind verschiedene Männer: etwa ein außergewöhnlicher Kapitän oder der gutaussehende Elektriker. Der Kapitän wird mit der Zeit zum „Ersatzopa“ für die Kinder, in den Elektriker verguckt sich Nelly. Leider hat er eine Begleitung im Schlepptau – ein echter Störfaktor. Da ist es gut zu wissen, dass die Dame eine Erdnussallergie hat…

Meine Meinung:

 Ingrid Noll hat sich mit ihrem neuen Buch selbst ein Geburtstagsgeschenk gemacht:

Dieser Roman ist so böse wie eh und je und man merkt es gar nicht, weil die Protagonistin Nelly, jemand wie Du und ich sein könnte. Sie ist sympathisch und chaotisch. Ich hatte sofort das Gefühl, dass mir das auch irgendwie hätte passieren können. Nelly appellierte an meine Urinstinkte „Mutterliebe“, „Sexmangel“ und „Selbsterhaltungstrieb“, wer würde dafür nicht vieles tun? Aber Mord, nein natürlich nicht, wir haben ja Moral und würden selbstverständlich unsere Grenzen kennen –oder?

Kennen wir wirklich unsere Grenzen, was ist moralisch gerade noch OK und was lädt eine große Schuld auf unsere Schultern, auch wenn es nicht rechtlich geahndet wird. Hier ist die Stärke von diesem großartigen Buch und der Autorin, ich konnte bei der Lektüre niemals sagen, dass wäre mir nie passiert, weil der Roman so leise daher kam. Es geht hier um jemanden wie Du und Ich und das Ende ist ebenso banal wie grandios, für mich ist das eine gelungene Inszenierung!

Fazit: Mittagstisch ist eines der besten Bücher, die ich von Ingrid Noll gelesen habe, und ich habe bisher alle gelesen! Spannende Unterhaltung garantiert, ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie geht es weiter.

Meine Familie hat es verschmerzt, dass es an diesem Tag weder einen „Mittagtisch“ noch sonst was gab. Das Buch ist wirklich klasse!