Archiv der Kategorie: Verlag Kiepenheuer & Witsch

Bretonisches Leuchten

 

Jean-Luc Bannalec: Bretonisches Leuchten

Kommissar Dupins 6. Fall

Kiepenheuer & Witsch

Preis: 14,99 €

Bretonische Ferien und ein perfides Verbrechen

Zwischen den rosa Granitfelsen der Côte d‘Armor steht Commissaire Dupin vor einer unlösbaren Aufgabe: Es ist Hochsommer, und er soll Ferien machen. Am Strand liegen, nur das Leben genießen – ganze zwei Wochen lang! Für Dupin eine unerträgliche Vorstellung.

Während Claire die Ruhe zu genießen scheint, nutzt Dupin jede Gelegenheit, das Strandhandtuch zu verlassen. Das fabelhafte Abendessen auf der Hotel-Terrasse und die Gerüchte über eine geklaute Heiligenstatue gehören zu den wenigen spannenden Momenten seiner Tage. Doch dann verschwindet eine Frau vor den Augen der Hotelgäste spurlos und es wird ein Anschlag auf eine Abgeordnete verübt, die im Clinch mit den Landwirten liegt. Wenig später erschüttert der Fund einer Leiche den Küstenort. Heimlich nimmt Dupin mithilfe der Dorfbewohner die Ermittlungen auf, schließlich darf Claire nichts mitbekommen, ihm wurde strengste Erholung verordnet. Auch die Kollegen aus Concarneau, allen voran Nolwenn, verweigern ihm ihre Unterstützung und bestehen darauf, dass der Commissaire endlich los lässt und seine Ferien genießt.

Wer ist der Autor?

Jean-Luc Bannalec ist ein Pseudonym; der Autor ist in Deutschland und im südlichen Finistère zu Hause. Die ersten fünf Bände der Krimireihe mit Kommissar Dupin, »Bretonische Verhältnisse«, »Bretonische Brandung«, »Bretonisches Gold«, »Bretonischer Stolz« und »Bretonische Flut« wurden für das Fernsehen verfilmt und in zahlreiche Sprachen übersetzt. 2016 wurde Jean-Luc Bannalec von der Region Bretagne mit dem Titel »Mécène de Bretagne« ausgezeichnet.

Dupin, die Ferien stehen Dir wirklich gut!

Ich gestehe, ich habe bislang alle Dupin-Romane gelesen. Beim ersten war ich hin und weg, den fünften Roman fand ich schwach. Immer wieder dieselben Macken bei allen Protagonisten, Dupin ein kaffeesüchtiger Workaholic, seine überaus kompetenten Assistentin Nolwenn, die wirklich jedes Problem lösen kann und als Garnitur noch die beiden Inspektoren Kadeg, Dienst beflissen und unsympathisch bis zu zum Anschlag und der freundliche Riwal mit seinem Faible für bretonische Geschichte und Mystik.

Nach 5 Büchern möchte man ja nicht immer wieder die gleichen Geschichten und Scherze lesen. Im sechsten Band hat der Autor Dupin Urlaub verordnet, er bekommt damit ganz andere Helfer an die Seite gestellt, Ines die abgeklärte Polizistin, die sich nie in die Karten schauen lässt, ihren Onkel, der Dorf-Friseur, der alles über jeden weiß und auch gerne selbst mal die Strippen zieht und den umtriebigen und sehr redseligen Hotelier Rosmin Bellet, der Dupin den Fall geradezu auf dem Silbertablett serviert. Dupin findet  in dieser Kulisse, die ein herrlich altmodisches und verschlafenes Seebad ist, wieder zu seiner alten Stärke zurück und liefert eine spannende Kriminalgeschichte, bei der ich über diesen kauzigen Kommissar auch wieder schmunzeln kann, inklusive der Sondereinlage von Nolwenn, die von Dupin trotz Verbot von Claire, zum Eingreifen in den Fall verführt wird und einen filmreifen Auftritt hinlegt.

Claire, die Partnerin von Dupin, lernen wir in diesem Buch endlich besser kennen, und sie scheint es faustdick hinter den Ohren zu haben, wenn es darum geht ihren George zu täuschen! Nur gut, dass er ihr da in keiner Weise nachsteht und so liefern die zwei sich ein gegenseitiges Täuschungsmanöver, dass manchmal leider ein bisschen in Slapstick Komik abdriftete, was im Besonderen auch für den Gastauftritt von Nolwenn gilt, weil der Autor  in meinen Augen hier einfach zu viel gewollt hat. Zum Glück wurde aber in diesem Buch auf eine stark überzeichnete bretonische Mystik verzichtet, die für mich den Lesegenuss im fünften Band eingeschränkt hat.

Fazit: Ich habe mich gut unterhalten Dupin, Ferien stehen dir einfach gut, solltest Du Dir nicht nur alle Jubeljahre mal gönnen, ich wünsche mir aber auch, dass du uns auch neue Facetten an Dir zeigst, denn auch ein starrsinniger Kommissar sollte mal was neues wagen! Hier scheint der Anfang gemacht worden zu sein, wenn man den Andeutungen am Ende des Buches glauben kann. Ich bin gespannt, wie es weitergeht!

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Jean-Luc Bannalec: Bretonische Flut

bretonische-flut

Ein Kommissar als Reiseführer – nebenbei werden zwischendurch auch noch 2 Morde aufgeklärt!

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Flut

KiWi-Paperback
ISBN: 978-3-462-04937-4
Erschienen am: 28.06.2016
448 Seiten, Klappenbroschur
Kommissar Dupin ermittelt
Bandnummer 5

Ohne Kaffee läuft es nicht rund!

Kommissar Dupin hat es aber wirklich nicht leicht, um 04:49 Uhr ereilt ihn ein Anruf, dass in der Fisch-Auktionshalle in Douarnenez eine weibliche Leiche in einem Abfallcontainer mit Fischabfällen gefunden wurde. Die junge Fischerin von der Île de Sein wurde regelrecht abgeschlachtet und auch die Fundstelle zwischen stinkenden Fischabfällen, ist eine echte Herausforderung! Zu allem Übel noch ohne einen Kaffee und auf nüchternen Magen ein echter Stimmungsdämpfer, denn Dupin ohne Kaffee, das geht gar nicht! Entsprechend chaotisch und hektisch laufen die Ermittlungen an, weil weit und breit kein Motiv in Sicht ist und der Ermittler entweder auf eine Wand des Schweigens trifft, wie bei der nicht besonders kooperativen Hafenchefin Madame Gochat oder auf viele Gerüchte stößt, die sich um den Patron der Fischer von Douarnenez ranken, mit dem sich die junge und engagierte Frau angelegt hatte.

Den Gewalten des Meeres und bretonischen Legenden ausgeliefert!

Wenig später erreicht Dupin die Meldung, dass auf Île de Sein eine weitere Fraueneiche gefunden wurde. Dupins Laune bessert sich nicht, da er nun auch noch gezwungen ist, gemeinsam mit Inspektor Riwal auf die Insel überzusetzen. Denn dem Kommissar, einem großen Bewunderer des gewaltigen Atlantiks, wird nicht selten flau im Magen, wenn er diesen Gewalten direkt ausgesetzt wird und das Meer nicht vom sicheren Festland huldigen kann. Die Insulaner entpuppen sich zudem als waschechte Bretonen, genährt von Aberglauben und Legenden, herrscht auf Sein eine ganz besondere Atmosphäre der Dupin sich nur schwer entziehen kann. Sein Assistent, Riwal, profunder Kenner der bretonischen Geschichte und Mystik, lässt keine Gelegenheit ungenutzt, sein Wissen mitzuteilen und trägt damit einen entscheidenden Teil dazu bei, dem Fall eine rätselhafte und okkulte Stimmung zu verleihen und seinem nüchternem Chef damit gehörig auf die Nerven zu gehen. Aber Riwal macht sich Sorgen um Dupin, den ein schlechtes Omen auf Sein ereilt.

Viele Spuren, aber weder ein braubares Motiv noch ein Täter in Sicht!

Beide Frauen haben auf der Île de Sein gelebt und obwohl sie einander kannten und gemeinsam beim Fischen gesehen wurden, lässt sich trotz des großen Engagements des Kommissars keine brauchbare Erklärung zu Täter und Motiv finden. Unter Hochdruck ermittelt der Kommissar im äußersten Westen der Bretagne und es stellen sich viele Fragen: Werden die alten Schmugglerrouten auf dem Atlantik wieder befahren? Gibt es Beweise für illegale Aktivitäten im Parc Iroise, dem einzigartigen maritimen Naturschutzgebiet, wo Delfine und Wale zu Hause sind? Und was ist von den Mythen des Meeres zu halten, von denen die stolzen Insulaner erzählen?

Ein weiter Mord bringt Dynamik und ein fulminantes und rätselhaftes Ende!

Als es zu einem dritten Mord kommt, wird der Fall zunehmend rätselhafter. Da Dupin und sein Team auf der Suche nach einem Tatmotiv nicht weiterkommen, konzentrieren sich diese darauf, dass enge Zeitfenster in dem die Taten verübt wurden zum Ermittlungs-Fokus zu machen. Dies reduziert zwar die Anzahl der möglichen Täter erheblich, bringt Dupin und sein Team aber keinen entscheidenden Schritt weiter. Die Ermittlungsarbeiten werden zu einem ständigem Hin- und Her zwischen Insel und Festland und enden schließlich in einer abenteuerlichen Verfolgungsjagd. Trotz der Überführung des Täters wird der Fall nicht vollständig aufgeklärt und Dupin wird selbst Opfer der bretonischen Mythen und Legenden und muss akzeptieren, dass sich in der Bretagne nicht immer alles rational erklären lässt.

Fazit:

Eindrucksvolle Landschaftsbeschreibungen mit kulinarischen Highlights konkurrieren mit dem Kriminalfall und lassen ihn nur die zweite Geige spielen. Für echte Krimiliebhaber, die nicht schon Fans von dem schrulligen Dupin und seinen Helfern sind, sicherlich nicht der richtige Band, um diese für die Dupin-Krimis zu begeistern, für Bretagne-Fans ein interessanter Reise- und Geschichtsführer und für die Fans des Kommissars – wie mich – natürlich  mal wieder eine nette Begegnung, auch wenn wir mit Dupin schon bessere Zeiten erlebt haben. Mir hat es trotzdem gut gefallen und ich habe mich gefreut mal wieder vergnügliche Stunden mit Dupin und seinem Team zu verbringen, das spart mir den Urlaub in der wunderschönen Bretagne und ist ebenso erholsam und unterhaltsam für mich!

 

Ab heute heiße ich Margo

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Cora Stephan: Ab heute heiße ich Margo

Verlag Kiepenheuer & Witsch

Preis: 21,99 €

 „Zwei starke Frauen gehen ihren eigenen Weg!

 Worum geht’s?

Das Frauenbild in der Zeit des Nationalsozialismus war von einer völkisch-nationalen Ideologie geprägt und betonte die Rolle der Frau in der Gesellschaft als Mutter. Beeinflusst wurde dieses Idealbild auch durch andere Grundzüge nationalsozialistischer Ideologien wie die Lebensraumpolitik. Genau das wollen die Protagonistinnen Margo Hegewald und Helene Pinkus aus Cora Stephans neuen Roman für sich nicht und erlauben sich im Jahr 1936 eine eigene Nische im gesellschaftlichen Rollen-Korsett, die besser zu ihrem eigenem Selbstverständnis passt. Für Margo heißt das, dass sie sich dem väterlichen Wunsch nach einer schnellen Heirat widersetzt und eine Ausbildung als Bürokauffrau bei Photo-Werner in Stendal beginnt. Margo weiß was sie will, am Ende vielleicht mal ein eigenes Auto, auf das sie bereits jetzt schon fleißig spart und ist sich für nichts zu schade. Am Anfang putzt sie nach Feierabend noch den Laden, aber immer mehr wird sie mit ihrem Talent für Zahlen zur Stütze der Firma, weil sie die komplette Buchhaltung sehr zur Zufriedenheit ihrer Chefs erledigt. Die Kolleginnen halten sie zwar für eine Streberin, aber das kann sie korrigieren, als sie endlich nicht mehr die Mittagspause allein im Büro verbringt. Im Geschäft der Werners lernt sie auch Helene kennen, die als Fotografin im spanischen Bürgerkrieg gerade noch mal mit dem Leben davon kam und von einem Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes, Alard von Sedlitz, auf Wunsch eines alten Studienkollegen gerettet werden kann und in Stendal bei Photo-Werner Unterschlupf findet, denn Helene hat jüdische Wurzeln und befindet sich in ständiger Angst, von den Nazis entdeckt zu werden.

Die beiden Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein, Margo, fleißig, sehr ehrgeizig und vor allem zielstrebig, wenn es darum geht, ihren Weg zu machen und der bürgerlichen Enge ihrer Familie zu entkommen. Politisch ist sie aber nach wie vor immer noch sehr naiv und sympathisiert zu Beginn noch mit der völkischen Ideologie der Nazis. Helene eine talentierte, jedoch in sich gekehrte junge Frau, ist alles andere als naiv, ihre Erfahrungen als junge Fotografin während es spanischen Bürgerkrieges haben sie geprägt. Obwohl sie doch so unterschiedlich sind, entsteht zwischen den beiden Frauen eine Freundschaft, beide haben sich sogar in den charismatischen Alard von Sedlitz verliebt.

Doch mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verändern sich die Dinge schlagartig und die Träume beider Frauen lösen sich in Luft auf. Sie werden durch Krieg und Verfolgung auseinandergerissen. Margo verliert auf der Flucht 1945 ihr Kind und beinahe ihr Leben. Mit Henri, den der Krieg jegliche Illusionen geraubt hat, erkämpft sie sich mit Disziplin und großem Engagement eine neue Existenz in Westdeutschland. Helene, die Buchenwald überlebt hat, wird in Ostberlin von der Stasi zur „Kundschafterin des Friedens“ ausgebildet. Auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs treffen beide wieder aufeinander, immer noch verbunden durch ein dunkles Geheimnis und gelenkt durch die Stasi. Doch selbst der Zusammenbruch des DDR-Staates bedeutet kein Ende ihrer dramatischen Verstrickung, die noch bis ins letzte Jahr des 20. Jahrhunderts reicht.

 Mein Eindruck:

Cora Stephan hat es sehr spannend gemacht, ohne dabei trivial zu werden oder es an atmosphärischer Dichte fehlen zu lassen. Die Protagonistinnen sind lebensnah und sehr authentisch geschildert, man kann gar nicht aufhören und will immer wissen, wie es weiter geht. 630 Seiten in zwei Tagen das habe ich selten geschafft! Meine Familie war mehr oder weniger auf sich gestellt, denn ich hatte mich voll und ganz mit Margo identifiziert und konnte gar nicht aufhören zu lesen. Die Figur der Helene ist mir nicht so ans Herz gewachsen, was wohl daran lag, dass mir ihre doch eher ideologische Haltung nicht lag. Ich bin 1962 geboren, meine Mutter und Großmutter haben Flucht und Vertreibung noch selbst erlebt, da war mir die Figur der Margo einfach näher. Der Autorin ist es auf hervorragende Weise gelungen, den Protagonistinnen, zwei typische Frauenbilder dieser Zeit auf den Leib zu schneidern, ohne das die Charaktere dabei ihre Lebendigkeit und Authentizität eingebüßt haben.

 Wer ist die Autorin?

Cora Stephan ist seit mehr als dreißig Jahren freie Autorin und schreibt Essays, Kritiken, Kolumnen – und Bücher. Neben zehn Sachbüchern hat sie unter dem Pseudonym Anne Chaplet zehn preisgekrönte Kriminalromane veröffentlicht.

 Fazit: Ein sehr spannender Roman über die Zeit von 1936 bis zum Jahr 2000, den beiden deutschen Staaten und ihrer unerwarteten Wiedervereinigung. Die Geschichte lässt sich spannend lesen und die Protagonisten sind lebendig und authentisch, wobei die Figur der Margo noch echter wirkt, als die der Helene. Das Ende kommt überraschend und ist dann auch für meinen Geschmack, ein klein wenig zu konstruiert. Dies hat meinen Lesegenuss aber nicht beeinträchtigt, denn die Geschichte von Margo und Helene liest sich bis dahin sehr unterhaltsam und ohne in Trivialität abzudriften.