Luca D’Andrea: Der Tod so kalt

Der Tod so kalt von Luca DAndrea

Luca D’Andrea: Der Tod so kalt

DVA

14,99 €

Ein Fremder besessen von der Suche nach der Wahrheit!

Es fängt harmlos an

Jeremiah Salinger, erfolgreicher Dokumentarfilmer aus New York, ist seiner Frau Anneliese zu liebe mit ihr und der sehr aufgeweckten 5 jährigen Tochter Clara in deren Heimat Südtirol zurückgekehrt und will sich dort eine einjährige Auszeit gönnen. Werner, der inzwischen verwitwete Schwiegervater wohnt auch in Siebenhoch und hat als junger Kerl mit Freunden die Bergrettung der Region gegründet, deren großer Stolz der eigene rote Rettungshubschrauber ist. Salinger so nennen ihn nicht nur Anneliese seine Frau, sondern alle die ihn mögen ist fasziniert, das ist doch direkt wieder eine Story für ihn und seinen Kumpel Mike. Salinger ist für die Recherche und das Drehbuch zuständig, Mike kümmert sich um das andere.

Das Unglück nimmt seinen Lauf – oder die Stimme der Bestie

Ein normaler Rettungseinsatz, bei dem eine Touristin aus einer Gletscherspalte auf dem Ortler gerettet werden soll scheint zunächst wie das ganz normale Alltagsgeschäft auszusehen, aber es ist warm, zu warm, Ismael, der tollkühne Hubschrauberpilot will nicht landen und seilt nur den Kollegen ab, um die verunglückte Touristin und Manny mit der Winde wieder hochzuziehen. Doch dann kündigt das herannahende Grollen, eine Lawine an und schnappt sich Manny. Die Crew wird das Seil nicht kappen, in den Bergen wird niemand zurückgelassen…..

Am Ende gibt es fünf Tote, Salinger hat als einziger überlebt, total traumatisiert durch den Tod der Kameraden versucht er mit professioneller Hilfe zurück in die Normalität zu kommen. Keine Nacht mehr ohne Alpträume, in der ihn die Stimme der weißen Bestie immer wieder heimsucht. Zusätzlich kämpft er mit Schuldgefühlen und auch die störrischen und eigenbrötlerischen Siebenhochler sind nicht alle immer verständnisvoll und sparen mit Vorwürfen, die hinter Salingers Rücken die Runde machen, nicht.

Ein kluges Kind, eine geheimnisvolle Schlucht und 3 Morde, die lange zurück liegen….

Clara, die Tochter spürt, dass es ihrem Papa sehr schlecht geht, sie ist ein überaus aufgewecktes und lebenskluges kleines Mädchen, auch wenn sie erst fünf Jahre ist. Sie überredet Salinger zu einem Ausflug in die Bletterbach-Schlucht, einem Jahrtausende alten prähistorischen Zoo. Auf der Fahrt dorthin, Clara mit ihren blonden Zöpfen und pastelfarbenen Wanderschuhen neben sich, hat Jeremiah das erste Mal seit langem das Gefühl, es wird wieder gut werden.

Sowohl Vater als auch Tochter sind fasziniert vom Bletterbach, aber die Schlucht hat seit vielen Jahren ein grausames Geheimnis: 1985. Tagelang wütet ein gewaltiges Gewitter über der Bletterbach-Schlucht. Drei junge Einheimische aus dem nahegelegenen Siebenhoch kehren von einer Wanderung nicht zurück – schließlich findet ein Suchtrupp ihre Leichen, aufs brutalste entstellt. Den Täter vermutet man im Bekanntenkreis, doch das Dorf hüllt sich in eisiges Schweigen. Salinger stellt Fragen, aber fast alle im Dorf schweigen. Er ist wie besessen davon, die Morde aufzuklären und gerät immer tiefer in die Sache hinein, weil es für ihn eine Möglichkeit ist, das eigene Trauma zu vergessen.

Wer ist der Autor?

Luca D’Andrea wurde 1979 in Bozen geboren, wo er heute noch lebt. „Der Tod so kalt“ ist sein erster Roman. Direkt zu Erscheinen stieg das Buch in die Top Ten der italienischen Bestsellerliste ein; die Übersetzungsrechte haben sich in rund 35 Länder verkauft. Er ist Lehrer und selbst Dokumentarfilmer, am bekanntesten ist seine TV-Produktion „Mountain Heroes“, in der er für das italienische Fernsehen die Bergrettung porträtierte.

Fazit: Das Buch ist ungeheuer spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Die Kapitel sind sehr kurz, fast wie eine Filmszene und der Autor springt von einem Eindruck zum nächsten. Da musste ich dran bleiben und habe das Buch an einem Tag durchgelesen. Die Charaktere werden authentisch und sympathisch geschildert, ich konnte mich gut mit ihnen identifizieren und das hat dafür gesorgt, dass ich immer weiter lesen wollte. Der Roman hat Tempo, das Ende kommt unerwartet und überraschend. Auch ein Augenzwinkern bleibt bei mir zurück, Jurassic-Park lässt grüßen, vielleicht ein wenig zu dick aufgetragen, mir hat das Buch dennoch sehr gut gefallen, ich fand den Roman ungeheuer spannend, obwohl ich keine ausgewiesene Thriller-Liebhaberin bin.

Anne Jacobs: Die Töchter der Tuchvilla

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Anne Jacobs: Die Töchter der Tuchvilla

Blanvalet Verlag

Preis: 9,99 €

Es geht weiter, in der Tuchvilla, spielt die jüngere Generation jetzt die erste Geige!

Hier handelt es sich um den zweiten Band einer Triologie. Den ersten Band Die Tuchvilla habe ich bereits vor einigen Monaten gelesen. Hier habe ich mich auch gut unterhalten, doch hat mich der Folgeband noch mehr in seinen Bann gezogen.

Hintergrund:

Paul und Marie, das ungewöhnliche Liebespaar (Erbe verliebt sich in ein Küchenmädchen mit besonderem Bezug zum Firmengründer) müssen sich trennen, der erste Welt-Krieg ist ausgebrochen und Paul, wie alle anderen jungen Männer der Familie, muss an die Front. Ihnen bleiben nur Briefe und leidenschaftliche Erinnerungen, sie sind gerade kurz vorher Eltern von Zwillingen geworden, und hoffen vor allem auf ein baldiges Wiedersehen.

Die Villa der Familie Melzer wird trotz Widerstand des Familienoberhauptes und Patriarchen in ein Lazarett verwandelt, wo nicht nur Mutter und Hausdame, sondern auch Pauls Schwester Elisabeth eine Aufgabe findet und ihren penetranten und sehr fordernden adligen aber verarmten Schwiegereltern entfliehen kann. Diese haben sich nämlich bei Elisabeth einquartiert und dreist die ganze Wohnung von Elisabeth und ihrem Mann, Klaus von Hagemann, in Beschlag genommen.

Elisabeths Ehe, um die sie gekämpft hat wie eine Löwin, steht ohnehin unter großem Druck, die Sehnsucht nach einem Kind wächst und zu allem Übel muss sie noch erkennen, dass ihr Mann Klaus nicht der von ihr idealisierte Partner ist.

Protagonisten, die entdecken, was sie wollen und dafür auch kämpfen!

Es gibt sehr viele interessante Entwicklungen in der Fortsetzung und die jungen Menschen in der Geschichte haben sich weiterentwickelt und präsentieren sich in einem ganz anderen Licht. Marie erweist sich als starke Frau, die das Erbe ihres Vaters (ehemals Kompagnon von Pauls Vater und genialer Konstrukteur), fortführen möchte und nicht nur Mutter und Ehefrau sein will.

Elisabeth (Pauls anfangs sehr standesbewusste Schwester) wird mutiger, selbstbewusster, rebelliert gegen ihre Schwiegereltern und findet im Lazarett eine echte Aufgabe und verabschiedet sich mit Unterstützung der Liebe von allen ihren Standesdünkeln. Kitty, Pauls exaltierte Schwester, reift von einer nervigen egozentrischen Person durch Liebe und Verlust zur erwachsenen Frau. Besonders anrührend sind aber die Geschichten von Humbert (Hausdiener in der Tuchvilla) und Hanna (Küchenmädchen), die der Krieg und die Liebe vor große Herausforderungen und Schicksalsschläge stellen.

Fazit:

Anne Jacobs hat es geschafft, die Schrecken des ersten Welt-Krieges in eine Geschichte einfließen zu lassen und die Sorgen und Nöte aller, Herrschaft und Personal, unterhaltsam und mitreißend in eine spannende Geschichte zu verpacken. Der Roman lebt durch die persönliche Identifikation von Lesern und Protagonisten, mir hat das Buch sehr gut gefallen!

Wer schreibt und wie geht es weiter?

Anne Jacobs veröffentlichte bereits unter anderem Namen historische Romane. Ihr Schreibstil ist mitreißend, spannend und sehr unterhaltsam. Die über 700 Seiten haben mich beim Lesen total gefesselt, jetzt muss ich unbedingt wissen wie es weiter geht.

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Flut

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Ein Kommissar als Reiseführer – nebenbei werden zwischendurch auch noch 2 Morde aufgeklärt!

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Flut

KiWi-Paperback
ISBN: 978-3-462-04937-4
Erschienen am: 28.06.2016
448 Seiten, Klappenbroschur
Kommissar Dupin ermittelt
Bandnummer 5

Ohne Kaffee läuft es nicht rund!

Kommissar Dupin hat es aber wirklich nicht leicht, um 04:49 Uhr ereilt ihn ein Anruf, dass in der Fisch-Auktionshalle in Douarnenez eine weibliche Leiche in einem Abfallcontainer mit Fischabfällen gefunden wurde. Die junge Fischerin von der Île de Sein wurde regelrecht abgeschlachtet und auch die Fundstelle zwischen stinkenden Fischabfällen, ist eine echte Herausforderung! Zu allem Übel noch ohne einen Kaffee und auf nüchternen Magen ein echter Stimmungsdämpfer, denn Dupin ohne Kaffee, das geht gar nicht! Entsprechend chaotisch und hektisch laufen die Ermittlungen an, weil weit und breit kein Motiv in Sicht ist und der Ermittler entweder auf eine Wand des Schweigens trifft, wie bei der nicht besonders kooperativen Hafenchefin Madame Gochat oder auf viele Gerüchte stößt, die sich um den Patron der Fischer von Douarnenez ranken, mit dem sich die junge und engagierte Frau angelegt hatte.

Den Gewalten des Meeres und bretonischen Legenden ausgeliefert!

Wenig später erreicht Dupin die Meldung, dass auf Île de Sein eine weitere Fraueneiche gefunden wurde. Dupins Laune bessert sich nicht, da er nun auch noch gezwungen ist, gemeinsam mit Inspektor Riwal auf die Insel überzusetzen. Denn dem Kommissar, einem großen Bewunderer des gewaltigen Atlantiks, wird nicht selten flau im Magen, wenn er diesen Gewalten direkt ausgesetzt wird und das Meer nicht vom sicheren Festland huldigen kann. Die Insulaner entpuppen sich zudem als waschechte Bretonen, genährt von Aberglauben und Legenden, herrscht auf Sein eine ganz besondere Atmosphäre der Dupin sich nur schwer entziehen kann. Sein Assistent, Riwal, profunder Kenner der bretonischen Geschichte und Mystik, lässt keine Gelegenheit ungenutzt, sein Wissen mitzuteilen und trägt damit einen entscheidenden Teil dazu bei, dem Fall eine rätselhafte und okkulte Stimmung zu verleihen und seinem nüchternem Chef damit gehörig auf die Nerven zu gehen. Aber Riwal macht sich Sorgen um Dupin, den ein schlechtes Omen auf Sein ereilt.

Viele Spuren, aber weder ein braubares Motiv noch ein Täter in Sicht!

Beide Frauen haben auf der Île de Sein gelebt und obwohl sie einander kannten und gemeinsam beim Fischen gesehen wurden, lässt sich trotz des großen Engagements des Kommissars keine brauchbare Erklärung zu Täter und Motiv finden. Unter Hochdruck ermittelt der Kommissar im äußersten Westen der Bretagne und es stellen sich viele Fragen: Werden die alten Schmugglerrouten auf dem Atlantik wieder befahren? Gibt es Beweise für illegale Aktivitäten im Parc Iroise, dem einzigartigen maritimen Naturschutzgebiet, wo Delfine und Wale zu Hause sind? Und was ist von den Mythen des Meeres zu halten, von denen die stolzen Insulaner erzählen?

Ein weiter Mord bringt Dynamik und ein fulminantes und rätselhaftes Ende!

Als es zu einem dritten Mord kommt, wird der Fall zunehmend rätselhafter. Da Dupin und sein Team auf der Suche nach einem Tatmotiv nicht weiterkommen, konzentrieren sich diese darauf, dass enge Zeitfenster in dem die Taten verübt wurden zum Ermittlungs-Fokus zu machen. Dies reduziert zwar die Anzahl der möglichen Täter erheblich, bringt Dupin und sein Team aber keinen entscheidenden Schritt weiter. Die Ermittlungsarbeiten werden zu einem ständigem Hin- und Her zwischen Insel und Festland und enden schließlich in einer abenteuerlichen Verfolgungsjagd. Trotz der Überführung des Täters wird der Fall nicht vollständig aufgeklärt und Dupin wird selbst Opfer der bretonischen Mythen und Legenden und muss akzeptieren, dass sich in der Bretagne nicht immer alles rational erklären lässt.

Fazit:

Eindrucksvolle Landschaftsbeschreibungen mit kulinarischen Highlights konkurrieren mit dem Kriminalfall und lassen ihn nur die zweite Geige spielen. Für echte Krimiliebhaber, die nicht schon Fans von dem schrulligen Dupin und seinen Helfern sind, sicherlich nicht der richtige Band, um diese für die Dupin-Krimis zu begeistern, für Bretagne-Fans ein interessanter Reise- und Geschichtsführer und für die Fans des Kommissars – wie mich – natürlich  mal wieder eine nette Begegnung, auch wenn wir mit Dupin schon bessere Zeiten erlebt haben. Mir hat es trotzdem gut gefallen und ich habe mich gefreut mal wieder vergnügliche Stunden mit Dupin und seinem Team zu verbringen, das spart mir den Urlaub in der wunderschönen Bretagne und ist ebenso erholsam und unterhaltsam für mich!

 

Charlotte Link: Die Entscheidung

Die Entscheidung von Charlotte Link

Die Entscheidung von Charlotte Link

Charlotte Link: Die Entscheidung

Blanvalet Verlag

22,99 €

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag

ISBN: 978-3-7645-0441-0

Erschienen: 05.09.2016

Eine falsche Entscheidung und das Schicksal nimmt seinen Lauf….

 Eine Geschichte auf mehreren Ebenen

Simon, 40, geschieden ist ein sogenannter „Gutmensch“ Die Exfrau ist längst anderweitig verbandelt und doch wenn diese kurzfristig die gemeinsamen Kinder loswerden will, Simon ist immer da, stets hilfsbereit bis zur Selbstaufgabe und bloß keine Konflikte eingehen. Seine neue Freundin, Kristina, eine selbstbewusste und erfolgreiche Frau nervt das gewaltig, Kristina möchte nämlich, dass Simon sich endlich zu ihr bekennt, daraus wird allerdings erstmal nichts, denn dieser fürchtet, die Kinder zu verunsichern. Seine Ex-Frau hat diesmal zu Weihnachten aber andere Pläne und so fällt der Weihnachts-Urlaub, im Ferienhaus von Simons gestrengem Vater in der Provence, mit den Kindern ins Wasser, denn die haben urplötzlich keine Lust dazu. Auch Kristina, die Neue, hat so langsam die Nase voll und möchte nicht nur Lückenbüßerin sein.

Schließlich muss Simon allein fahren und bei einem einsamen Strandspaziergang wird er, Zeuge einer Auseinandersetzung zwischen einer jungen, völlig abgemagerten und abgerissenen Frau und den Hausmeistern einer Ferien-Appartement-Anlage, die diese nach einem Einbruch auf frischer Tat ertappt haben. Simon tut Nathalie einfach leid, es regnet in Strömen und das Mädel sieht aus, als wenn es schon lange nichts richtiges mehr zu essen bekommen hat, deshalb entschließt Simon sich kurzerhand und sehr spontan, Nathalie auszulösen und diese für eine Nacht auch bei sich übernachten zu lassen.

In Sofia fällt zu gleichen Zeit Selina auf die Versprechungen eines jungen Mannes herein, der ihr schmeichelt und in Aussicht stellt, dass sie mit ihrem Aussehen, sehr schnell viel Geld als Fotomodell in Rom verdienen kann……

Es muss nicht immer England sein…..

Bislang habe ich fast jeden Krimi von Charlotte Link gelesen, England als Handlungsort ihrer Romane fand ich eigentlich immer sehr passend für die Story gewählt. „Die Entscheidung“ ist allerdings der dritte Roman von ihr, der nicht in England, sondern in Frankreich spielt. Die Provence als Schauplatz hat aber gar nichts mit dem Ort zu tun, der uns in Urlaubsprospekten mit strahlend blauem Himmel, ebenso blauem Meer und noch blaueren Lavendelfeldern als Sehnsuchtsort verkauft wird. Kurz vor Weihnachten präsentiert sich das Urlaubsparadies verregnet, trostlos, neblig, ohne Licht und ohne Farben, ganz schön düster und manchmal sehr bedrückend.

Außerdem gibt es einen sehr aktuellen Zeitbezug, der Roman spielt kurze Zeit, nach den Anschlägen, die im vergangenen November Paris und ganz Frankreich erschüttert haben. Die Autorin beweist hier sehr viel Fingerspitzengefühl, weil es ihr gelingt, diese verstörende Stimmung, die das ganze Land lähmte, geschickt und authentisch in ihre Handlung einfließen zu lassen. Auch das trostlose Leben ohne echte Chancen und Perspektiven in der bulgarischen Hauptstadt, kann sie einfühlsam und ohne Klischees transportieren.

Normalität und Verbrechen, sind nicht weit entfernt, wenn man einmal falschen abgebogen ist….

Alle Protagonisten sind keine Gewinnertypen, da ist Simon der schlecht nein sagen kann, sich immer wieder fragt, was die Ex-Frau, die Kinder oder der fordernde Vater von ihm denken, wenn er das eine tut oder das andere unterlässt und dabei eigentlich immer selbst auf der Strecke bleibt. Außerdem Nathalie, eine junge Frau aus einer zerrütteten Familie mit einer alkoholkranken Mutter, hält ihr Leben nur aus, weil sie sich aus diesem Chaos in die Magersucht flüchtet. Erst ihr Freund, Jerome, den sie über alles liebt und für den sie alles tun würde, schafft es, dass sie langsam wieder Hoffnung schöpft….

Spannend bis zum Schluss!

Die unterschiedlichen Perspektiven und Handlungsstränge sind am Anfang erstmal ein wenig ungewöhnlich machen das Buch aber so spannend, wie ich es eigentlich noch nie bei Charlotte Link erlebt habe. Alles verdichtet sich, die Dinge und Menschen, von denen man am Anfang geglaubt hat, das hat nichts miteinander zu tun, bekommen unter dem Druck der Ereignisse nicht nur Risse, sondern es wird klar, dass es alles andere als Zufall war, dass sie Täter oder Opfer oder ein Teil des Geschehens wurden. Es gibt immer wieder Indizien, dass hier etwas nicht stimmt, jeder angedeutete Hinweis löste in mir den Wunsch aus, der Sache schnell auf den Grund zu gehen und ich habe das Buch nahezu in einem Tag zu Ende gelesen.

Fazit: Für mich ein ungeheuer spannendes Buch und der beste Krimi, den ich von Charlotte Link bisher gelesen habe. Ihre Gangart ist ein wenig härter und kompromissloser geworden, sie ist in diesem Roman endlich beim Krimi angekommen, ohne dass sie ihre bisherigen Leserinnen verschreckt oder enttäuscht, den die Akteure sind Menschen wie Sie und ich und man kann sich wunderbar mit ihnen identifizieren. Man möchte unbedingt wissen, wie es weiter geht mit Simon, ob er es endlich schafft, mal nicht nett zu sein und stattdessen an sich zu denken oder ob Nathalie sich traut, genau hin zu sehen. Der Autorin, ist hier ein sehr spannender Krimi gelungen, den ich geradezu verschlungen habe. Der beste Roman, den ich von ihr bisher gelesen habe!

Amelie Fried: Ich fühle was, was du nicht fühlst

Ich fuehle was was du nicht fuehlst von Amelie Fried

Ich fuehle was was du nicht fuehlst von Amelie Fried

Amelie Fried: Ich fühle was, was du nicht fühlst

Heyne Verlag

16,99 €

Paperback, Klappenbroschur

ISBN: 978-3-453-26590-5

Erschienen: 22.08.2016

Als wär es gestern gewesen – oder die Lebenslügen einer Generation!

Worum geht‘s

1975: Die 13-jährige India ist klüger als die meisten Leute in ihrer Umgebung, inklusive ihrer Hippie-Eltern und ihres seltsamen und ebenfalls sehr einsamen Bruders Che. Das macht sie unter Gleichaltrigen zur Außenseiterin, umso dankbarer ist sie deshalb für die Aufmerksamkeit ihres Klavierlehrers. Er fördert ihre außergewöhnliche musikalische Begabung – und er kennt ihr wichtigstes Geheimnis. In einem einzigen Moment zerstört er ihr Vertrauen. Und ahnt nicht, was er damit anrichtet. Als zwei ihrer Mitschülerinnen Anschuldigungen gegen den Lehrer erheben, steht India vor der Wahl, ihr Geheimnis öffentlich zu machen oder für immer zu schweigen.

Back to the seventies!

Ich bin Jahrgang 1962, die Siebziger, waren also meine Jugend. Deshalb war ich gespannt, ob mich das Buch wieder in diese Zeit zurück versetzten würde können und ein paar längst verschollene Erinnerungen bei mir auslöst.

Volltreffer! Amelie Fried gelingt es vortrefflich, dass Lebensgefühl dieser bewegten Zeit zu transportieren und bleibt dabei echt und authentisch. Man hat immer wieder das Gefühl, in der Heldin, India, ist auch ein Stück von der Autorin eingeflossen. Auch ich habe mich hier das eine oder andere Mal wieder erkannt, Bilder meines progressiven und sehr engagierten Klassenlehrers, der Nachbarn meiner Eltern, ihren Freunden aus dem Kegelklub, waren auf einmal wieder so präsent, als wenn es erst gestern gewesen wäre, als ich sie das letzte Mal gesehen habe. Dieser Generation, hat der Krieg und Flucht und Vertreibung, viel seelisches Leid zugefügt, was es aufzuarbeiten galt und es ihnen schwierig gemacht hat, auf ihre Kinder so eingehen zu können, wie diese es gebraucht oder sich gewünscht haben. Diese Kinder haben buchstäblich ihre Eltern nicht immer an ihrer Seite gehabt, weil diese auf völlig unterschiedliche Weise sehr stark mit sich selbst und der eigenen Aufarbeitung beschäftigt waren. Das hat Amelie Fried hier augenzwinkernd und ohne anzuklagen pointiert.

Unterhaltsam und witzig, ohne Klischees zu dreschen!

Die Erzählerin wählt klug die Perspektive der Hauptfigur und beobachtet sehr unterhaltsam und scharfzüngig ihre Hippie-Eltern: Da ist z. B. eine Mutter, die sich sehr emanzipiert gibt, zum Teil auch die Familie allein mit ihren Transzendenz-Seminaren ernährt, aber doch lange Zeit ihrem Mann alles Organisatorische abnimmt, als wäre sie seine Sekretärin. Die Nachbarin, die ihren behinderten Bruder nicht los lassen kann und sich an diesen klammert, als wenn ihr Leben aufhören würde, wenn er in ein betreutes Wohnheim zieht. Gerade das Nebeneinander dieser beider Frauen, mit diesen komplett unterschiedlichen Lebensentwürfen sind wirklich die Siebziger pur gewesen. Witzig, ironisch, klug und nachdenklich immer mit dem Blick für das Wesentliche beobachtet India ihre Umwelt, das ist sehr amüsant und kurzweilig, weil die Personen so lebendig und mit einer kleinen Prise Ironie skizziert werden. India lässt auch hier und da durchblicken, was sie sich selbst wünscht, nämlich Eltern, die nicht nur mit sich selbst beschäftigt sind, aber sicher auch keine Übermutter, wie die Nachbarin Margot, die auf eigene Selbstverwirklichung verzichtet und meint, die Aufgabe einer Mutter ist in erster Linie mit Kochen erledigt. Das ist klug inszeniert und großartige leichte Unterhaltung, ohne hier in Klischees abzudriften. Auch beim Ende der Geschichte bleibt die Autorin diesem Stil treu und bietet eine realistische Entwicklungsperspektive für India und ihren Bruder und gerade so viel Happy-End, dass es niemals kitschig oder vorhersehbar für den Leser wird.

Fazit: Für mich ein großartiges unterhaltsames Buch, mit Witz, Charme und realistischen Protagonisten, die sehr einfühlsam und liebevoll geschildert werden. Das ist große Unterhaltung, denn sowas setzt sehr viel Einfühlungsvermögen und Schreibtalent voraus. Ich habe mich wunderbar unterhalten und mich hier und da selber wiedererkannt. Die leisen und sehr ironischen Töne im Buch sind einfach köstlich! „Ich fühle was, was du nicht fühlst“ ist für mich eines der stärksten Bücher von Amelie Fried, wenn nicht sogar, das einfühlsamste und amüsanteste.

Ab heute heiße ich Margo

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Cora Stephan: Ab heute heiße ich Margo

Verlag Kiepenheuer & Witsch

Preis: 21,99 €

 „Zwei starke Frauen gehen ihren eigenen Weg!

 Worum geht’s?

Das Frauenbild in der Zeit des Nationalsozialismus war von einer völkisch-nationalen Ideologie geprägt und betonte die Rolle der Frau in der Gesellschaft als Mutter. Beeinflusst wurde dieses Idealbild auch durch andere Grundzüge nationalsozialistischer Ideologien wie die Lebensraumpolitik. Genau das wollen die Protagonistinnen Margo Hegewald und Helene Pinkus aus Cora Stephans neuen Roman für sich nicht und erlauben sich im Jahr 1936 eine eigene Nische im gesellschaftlichen Rollen-Korsett, die besser zu ihrem eigenem Selbstverständnis passt. Für Margo heißt das, dass sie sich dem väterlichen Wunsch nach einer schnellen Heirat widersetzt und eine Ausbildung als Bürokauffrau bei Photo-Werner in Stendal beginnt. Margo weiß was sie will, am Ende vielleicht mal ein eigenes Auto, auf das sie bereits jetzt schon fleißig spart und ist sich für nichts zu schade. Am Anfang putzt sie nach Feierabend noch den Laden, aber immer mehr wird sie mit ihrem Talent für Zahlen zur Stütze der Firma, weil sie die komplette Buchhaltung sehr zur Zufriedenheit ihrer Chefs erledigt. Die Kolleginnen halten sie zwar für eine Streberin, aber das kann sie korrigieren, als sie endlich nicht mehr die Mittagspause allein im Büro verbringt. Im Geschäft der Werners lernt sie auch Helene kennen, die als Fotografin im spanischen Bürgerkrieg gerade noch mal mit dem Leben davon kam und von einem Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes, Alard von Sedlitz, auf Wunsch eines alten Studienkollegen gerettet werden kann und in Stendal bei Photo-Werner Unterschlupf findet, denn Helene hat jüdische Wurzeln und befindet sich in ständiger Angst, von den Nazis entdeckt zu werden.

Die beiden Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein, Margo, fleißig, sehr ehrgeizig und vor allem zielstrebig, wenn es darum geht, ihren Weg zu machen und der bürgerlichen Enge ihrer Familie zu entkommen. Politisch ist sie aber nach wie vor immer noch sehr naiv und sympathisiert zu Beginn noch mit der völkischen Ideologie der Nazis. Helene eine talentierte, jedoch in sich gekehrte junge Frau, ist alles andere als naiv, ihre Erfahrungen als junge Fotografin während es spanischen Bürgerkrieges haben sie geprägt. Obwohl sie doch so unterschiedlich sind, entsteht zwischen den beiden Frauen eine Freundschaft, beide haben sich sogar in den charismatischen Alard von Sedlitz verliebt.

Doch mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verändern sich die Dinge schlagartig und die Träume beider Frauen lösen sich in Luft auf. Sie werden durch Krieg und Verfolgung auseinandergerissen. Margo verliert auf der Flucht 1945 ihr Kind und beinahe ihr Leben. Mit Henri, den der Krieg jegliche Illusionen geraubt hat, erkämpft sie sich mit Disziplin und großem Engagement eine neue Existenz in Westdeutschland. Helene, die Buchenwald überlebt hat, wird in Ostberlin von der Stasi zur „Kundschafterin des Friedens“ ausgebildet. Auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs treffen beide wieder aufeinander, immer noch verbunden durch ein dunkles Geheimnis und gelenkt durch die Stasi. Doch selbst der Zusammenbruch des DDR-Staates bedeutet kein Ende ihrer dramatischen Verstrickung, die noch bis ins letzte Jahr des 20. Jahrhunderts reicht.

 Mein Eindruck:

Cora Stephan hat es sehr spannend gemacht, ohne dabei trivial zu werden oder es an atmosphärischer Dichte fehlen zu lassen. Die Protagonistinnen sind lebensnah und sehr authentisch geschildert, man kann gar nicht aufhören und will immer wissen, wie es weiter geht. 630 Seiten in zwei Tagen das habe ich selten geschafft! Meine Familie war mehr oder weniger auf sich gestellt, denn ich hatte mich voll und ganz mit Margo identifiziert und konnte gar nicht aufhören zu lesen. Die Figur der Helene ist mir nicht so ans Herz gewachsen, was wohl daran lag, dass mir ihre doch eher ideologische Haltung nicht lag. Ich bin 1962 geboren, meine Mutter und Großmutter haben Flucht und Vertreibung noch selbst erlebt, da war mir die Figur der Margo einfach näher. Der Autorin ist es auf hervorragende Weise gelungen, den Protagonistinnen, zwei typische Frauenbilder dieser Zeit auf den Leib zu schneidern, ohne das die Charaktere dabei ihre Lebendigkeit und Authentizität eingebüßt haben.

 Wer ist die Autorin?

Cora Stephan ist seit mehr als dreißig Jahren freie Autorin und schreibt Essays, Kritiken, Kolumnen – und Bücher. Neben zehn Sachbüchern hat sie unter dem Pseudonym Anne Chaplet zehn preisgekrönte Kriminalromane veröffentlicht.

 Fazit: Ein sehr spannender Roman über die Zeit von 1936 bis zum Jahr 2000, den beiden deutschen Staaten und ihrer unerwarteten Wiedervereinigung. Die Geschichte lässt sich spannend lesen und die Protagonisten sind lebendig und authentisch, wobei die Figur der Margo noch echter wirkt, als die der Helene. Das Ende kommt überraschend und ist dann auch für meinen Geschmack, ein klein wenig zu konstruiert. Dies hat meinen Lesegenuss aber nicht beeinträchtigt, denn die Geschichte von Margo und Helene liest sich bis dahin sehr unterhaltsam und ohne in Trivialität abzudriften.

Rita Falk: Leberkäsjunkie

9783423260855 (2)

dtv premium

Taschenbuch 15,90 €

erschienen am 22. Januar 2016

„Eberthofer leider nicht in Bestform!

 Worum geht’s?

 Der Dorf-Scheriff ist zurück!

 In Niederkaltenkirchen hat es gebrannt. Ausgerechnet bei der „Mooshammer Liesl“, die aber gerade zum Wellness-Urlaub im Allgäu weilte. Die „Mooshammerin“ mit ihrer Ratschen bleibt uns also erhalten, dumm nur, dass Saskia Grimm, als Liesels Pensionsgast, leider nicht so viel Glück hatte. Schnell stellt sich heraus, dass Saskia Grimm ermordet wurde und das Feuer erst später gelegt wurde, um die Tat zu vertuschen. Die „Mooshammerin“ komplettiert jetzt die Eberhofer-WG, denn irgendwo muss sie ja auch Unterschlupf finden, auch wenn Franz alles andere als begeistert davon ist.

Zu allem Unglück muss der Franz auch noch die Schwarze Perle, Buengo, des FC Rot-Weiß Kaltenkirchen als Tatverdächtigen verhaften, was dem Bürgermeister gar nicht schmeckt und deshalb muss der Franz auch wieder als Dorf-Scheriff die Aufklärung übernehmen. „Simmerls-Max“ hat eh besseres zu tun und busselt dauernd mit der Mia, die die Schwangerschafts­vertretung für die Susi, Franz bessere Hälfte, übernommen hat, rum.

Nix mehr mit einem reschen Schweinsbraten mit Knödeln!

Zu allem Unglück hat der Dr. Brunnermeier festgestellt, dass die Cholesterin-Werte des Dorf-Rambos von Niederkaltenkirchen ein gefährliches „all-time-high“ erreicht haben und da lässt die Oma nicht mit sich spaßen, jetzt steht regelmäßig ein Smoothie auf dem Frühstückstisch und statt Schweinsbraten mit Knödeln ist jetzt ein Gemüsecurry angesagt.

Papa auf Freiersfüßen und der Rudi kann‘s auch nicht lassen….

Niemand hätte das noch mal für möglich gehalten, aber im siebten Band erwischt Amor den Eberhofer-Papa komplett, auch wenn sich niemand hat vorstellen können, dass er jemals über den Tod der Mutter hinwegkommt.

Rudi, Eberhofers Spezi, ist natürlich auch wieder dabei und nervt den Franz schon arg nicht nur mit seinen unsäglichen Liebesbekundungen, sondern auch mit gesunden Snacks.

 Meine Meinung – oder alles dabei, was vortreffliche Unterhaltung verspricht?

Vorweg, Rita Falk hat sich redlich Mühe gegeben, doch zündet die Story bei mir nicht richtig. Die Charaktere bleiben leider hölzern und haben nichts von dem Charme der vergangenen Bücher, besonders die Oma und der Papa haben schon bessere Tage erlebt.

Zudem zieht sich der Krimi-Plot zäh dahin und wirkte irgendwie konstruiert.

Auch Franz ist alles andere als in Best-Form, was ich gerne, seinem angeschlagenen Zustand zu Gute schreibe und dem nach wie vor ungeklärtem Verhältnis mit seinem Herzblatt Susi.

Fazit: Ich habe das Buch trotzdem ganz gern gelesen, denn ich bin ein eingefleischter Eberhofer-Fan und so schnell wird man mich nicht los! An die Erfolge „Winterkartoffelknödel“, „Dampfnudelblues“, „Schweinskopf al dente“ und „Grießnockerlaffäre“ kommt der 7. Band aus der Eberhofer-Reihe leider nicht heran.