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Das Erbe der Tuchvilla

Das Erbe der Tuchvilla von Anne Jacobs

Anne Jacobs: Das Erbe der Tuchvilla

Blanvalet Verlag

Preis: 9,99 €

In der Tuchvilla geht es aufwärts!

 Aufatmen in der Tuchvilla, Paul ist aus dem Krieg zurückgekehrt und übernimmt die Leitung der familieneigenen Tuchfabrik wieder von seiner kreativen und überaus tüchtigen Ehefrau Marie. Kitty die jüngste Schwester rät Paul, dass er Maries Selbständigkeit und Kreativität unterstützen sollte, schließlich hat sie den Betrieb mit Bravour und Einfallsreichtum durch Wirtschaftskrise und harte Zeiten geführt. Und das so, dass auch der eigensinnige Schwiegervater, Johann Melzer, der inzwischen verstorben ist, ihr großen Respekt dafür zollte. Paul nimmt sich den Rat der Schwester zu Herzen und richtet seiner Frau ein eigenes Modeatelier ein, mit dem Marie schnell Furore bei Augsburgs Damenwelt macht.

Die Frauen der Familie wissen was sie wollen!

 Kitty, die junge exaltierte und künstlerisch veranlagte Schwester hat weniger Glück gehabt, ihr Mann, Alfons, ist gefallen. Die junge lebensfrohe Frau trägt schwer an diesem Verlust, auch wenn die Ehe sich zu Beginn wie eine Notlösung angeboten, hat, ist die verwöhnte Jüngste der Melzer-Kinder über diesen jähen Verlust am Boden zerstört. Kitty zieht deshalb vorerst mit ihrer Tochter Henriette, auch genannt Henny, die ihr unglaublich ähnlich ist, zurück in die Tuchvilla. Mama Melzer ist sehr glücklich darüber, nach dem Tod des Patriarchen und Familienvaters ist es ihr noch wichtiger geworden, all ihre Lieben wieder um sich zu haben. Besonders die Kinder im Haus, dazu gehören neben Henny auch Leo und Dodo die Zwillinge von Paul und Marie, tun ihr gut. Allerdings sieht sie Maries Berufstätigkeit und die Erfolge ihres Modeateliers mit gemischten Gefühlen. Für Alicia steht eine Ehefrau und Mutter in erster Linie dem Haushalt vor und kümmert sich um den Nachwuchs und deshalb überredet sie Paul, eine Gouvernante für die Kinder zu engagieren.

Die böse Gouvernante sorgt für jede Menge Streit innerhalb der Familie

Elisabeth, die mit ihrem kriegsversehrten Mann Klaus und dessen Eltern das Gut von Alicias Familie in Pommern bewirtschaftet und sich zu einen ganz anderen wenig standesgemäßen Mann hingezogen fühlt, empfiehlt eine gute aber verarmte adelige Freundin. Frau von Dobern gewinnt schnell das Vertrauen von Alicia Mälzer, hat aber wenig Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Kindern. Sie ist streng, sehr auf überalterte Konventionen bedacht und interessiert sich überhaupt nicht für das Glück der Kinder. Paul muss ständig zwischen den jungen Frauen der Familie und der Mutter schlichten, bis es zum Eklat kommt Kitty, Marie und die Kinder verlassen die Tuchvilla.

Jede Menge Probleme und spannende Zeiten

 Anne Jacobs ist es auf sehr unterhaltsame Weise gelungen uns am Schicksal der Familie Melzer während der „goldenen Zwanziger“, eine spannende, aber auch fragile Zeit, Aufbruch in Kunst und Wissenschaft, ein neues Frauenbild, erste demokratische Versuche – aber auch Inflation, Arbeitslosigkeit und letztlich der Ruf nach dem „starken Mann“, teilhaben zu lassen. Besonders Paul ist dieses Mal sehr gefordert, eine Ehe wird auseinandergerissen, Kinder stehen dazwischen, ein Paar, das sich eigentlich sehr zugetan ist, gerät in eine tiefe Krise. „Mensch Paul, möchte man ihm zurufen, wach auf“, Du liebst doch Deine schöne junge Frau und hast so um diese Liebe gekämpft….

Fazit: Anne Jacobs ist mit „Das Erbe der Tuchvilla“ ein sehr kurzweiliger und unterhaltsamer historischer Roman aus der Zeit des 20. Jahrhunderts gelungen. Aufgrund der lebendigen Protagonisten gelingt ein sehr schöner Einblick in das Leben der Fabrikantenfamilie Mälzer, der mir sehr gut gefallen hat, weil er neben authentischen Figuren auch die Geschichte der vergangenen Zeit wieder aufleben lässt. Alle Liebhaber von Familiengeschichten werden mit der Tuchvilla-Trilogie ihre Freude haben, der Roman garantiert jede Menge vergnügliche Stunden! Ich empfehle aber, alle Bände der Reihe chronologisch zu lesen, um dem Familienleben und allen Akteuren folgen zu können. Ich freue mich auf eine Fortsetzung, liebe Anne Jacobs und hoffe, Sie sind schon dran und lassen uns nicht zu lange darauf warten!

Theresa Simon: Die Holunderschwestern

Die Holunderschwestern von Teresa Simon

Theresa Simon: Die Holunderschwestern

Blanvalet Verlag

Preis: 9,99 €

Zwei Frauen –zwei Geschichten – eine Familie…….

München 1918: Die junge Fanny hat ihre Mutter verloren und sehnt sich danach, der Enge der Familie und ihrer Heimat der (Oberpfalz) zu entfliehen. Das Schicksal kommt der jungen Frau gelegen, ein Bruder hat schon sein Glück in München gemacht und vermittelt Fanny eine Anstellung bei einer Schneiderin. Franzi, die sensible Zwillingsschwester bleibt leider zurück. Im Zug nach München lernt die aufregte und ein wenig eingeschüchterte Fanny eine jüdische Familie kennen und freundet sich mit deren Kindern an.

München 2015: Katharina Raith ist Mitte 30 und hat sich mit ihrer besten Freundin und Partnerin, Isi, gerade mit einer eigenen Werkstatt zum Restaurieren von alten Möbeln selbständig gemacht. Das Geschäft fängt langsam zu laufen und Katharina hat sich in ihrem Leben eingerichtet, sie ist zufrieden, auch wenn die große Liebe ihr noch nicht begegnet ist.

Eines Tages steht überraschend ein überaus charmanter und gutaussehender Engländer vor ihrer Tür und überreicht ihr die Tagebücher ihrer Urgroßmutter.

Viel Zeitgeschichte, sympathisches Protagonistinnen und die böse Eifersucht….

Katharina ist verwirrt, aber auch gespannt, als sie anfängt in diesen Kladden zu lesen, stellt sie fest, in ihrer Familie gab es viele Geheimnisse: Die Geschichte ihrer Urgroßmutter Fanny, die in den bewegten 20iger Jahren einer jüdischen Familie in München den Haushalt führte und alle mit ihrem Holunderkompott verwöhnte zieht sie ganz in seinen Bann. Katharina will mehr wissen, nicht nur über die überaus herzliche und sympathische Fanny, die mutig ihre Chance ergriff, sondern auch über die schöne und zarte Alina, die Tochter des Hauses, deren Glück durch die Repressalien der sich ankündigenden Nazi-Herrschaft bedroht wird. Alina und Fanny sind sich sehr herzlich zugetan und echte Freundinnen geworden. Besonders Fanny ist bereit, mit der Schwester im Herzen durch dick und dünn zu gehen, was Fritzi die Zwillingsschwester Fannys, die inzwischen auch in München eine Anstellung gefunden hat, sehr eifersüchtig werden lässt. Alle drei erleben den Aufbruch und die Schrecken dieser später sehr düsteren Zeit hautnah mit und ihr Schicksal ist auf tragische und sehr spannende Weise miteinander verwoben. Das macht die Geschichte ungeheuer anziehend, besonders mit Fanny habe ich mich sehr identifizieren können, weil sie tapfer und tatkräftig ihr Schicksal annimmt und immer versucht, das Beste daraus zu machen. Meistens ist sie ruhig und zurückhaltend, aber wenn es darauf ankommt, schafft sie es auch, vermeintlich stärkeren Gegner die Stirn zu bieten. Mir hat das sehr gut gefallen, dass diese Figur ihre Ängste überwindet und sich nicht in die passive Opferrolle hineindrängen lässt, Fanny ist für ihre Zeit mindestens ebenso selbstbestimmt wie Katharina, die viele Jahrzehnte später nicht nur den Geheimnissen ihrer Familie auf die Spur kommt, sondern auch selbst ganz unverhofft ihr Glück findet.

Fazit: Teresa Simon hat diese Familiensaga sehr fesselnd und spannend erzählt. Von der ersten Seite an war ich mitten im Geschehen und ungeheuer gespannt darauf, ob am Ende der Geschichte wohl alle Familiengeheimnisse, die in der Story so nach und nach ans Licht kommen, aufgedeckt werden können. Mit Fanny habe ich mitgelitten und gehofft, dass sie sich ihr Glück nicht zerstören lässt und mich auch an ihren Geheim-Rezepten erfreut, für die sie sogar von der Familie des Malers Paul Klee engagiert wurde. Der historische Background wurde stimmig recherchiert und die Jahre der Münchner-Räterepublik und deren späteres Scheitern fesselnd in die Geschichte eingebaut. Das hat mir sehr gut gefallen! Die zweite Ebene mit der Urenkelin Katharina ist zwar in der Geschichte ein wenig blasser ausgearbeitet, aber auch bei Katharina habe ich mich am Ende mit ihr gefreut, dass sie ihr Glück gefunden hat. Mich hat aber besonders das Schicksal von Fanny gar nicht mehr los gelassen und ich habe das Buch sehr schnell zu Ende gelesen, weil ich einfach wissen musste, wie es mit ihr weitergeht. Ein tolles Buch für alle die Familiengeschichten mit historischem Kontext mögen und auch zu einer Herz-Schmerz-Liebesgeschichte mit Happy End nicht nein sagen. Perfekte Lektüre, um das Wochenende auf der Couch zu verbringen!

Anne Jacobs: Die Töchter der Tuchvilla

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Anne Jacobs: Die Töchter der Tuchvilla

Blanvalet Verlag

Preis: 9,99 €

Es geht weiter, in der Tuchvilla, spielt die jüngere Generation jetzt die erste Geige!

Hier handelt es sich um den zweiten Band einer Triologie. Den ersten Band Die Tuchvilla habe ich bereits vor einigen Monaten gelesen. Hier habe ich mich auch gut unterhalten, doch hat mich der Folgeband noch mehr in seinen Bann gezogen.

Hintergrund:

Paul und Marie, das ungewöhnliche Liebespaar (Erbe verliebt sich in ein Küchenmädchen mit besonderem Bezug zum Firmengründer) müssen sich trennen, der erste Welt-Krieg ist ausgebrochen und Paul, wie alle anderen jungen Männer der Familie, muss an die Front. Ihnen bleiben nur Briefe und leidenschaftliche Erinnerungen, sie sind gerade kurz vorher Eltern von Zwillingen geworden, und hoffen vor allem auf ein baldiges Wiedersehen.

Die Villa der Familie Melzer wird trotz Widerstand des Familienoberhauptes und Patriarchen in ein Lazarett verwandelt, wo nicht nur Mutter und Hausdame, sondern auch Pauls Schwester Elisabeth eine Aufgabe findet und ihren penetranten und sehr fordernden adligen aber verarmten Schwiegereltern entfliehen kann. Diese haben sich nämlich bei Elisabeth einquartiert und dreist die ganze Wohnung von Elisabeth und ihrem Mann, Klaus von Hagemann, in Beschlag genommen.

Elisabeths Ehe, um die sie gekämpft hat wie eine Löwin, steht ohnehin unter großem Druck, die Sehnsucht nach einem Kind wächst und zu allem Übel muss sie noch erkennen, dass ihr Mann Klaus nicht der von ihr idealisierte Partner ist.

Protagonisten, die entdecken, was sie wollen und dafür auch kämpfen!

Es gibt sehr viele interessante Entwicklungen in der Fortsetzung und die jungen Menschen in der Geschichte haben sich weiterentwickelt und präsentieren sich in einem ganz anderen Licht. Marie erweist sich als starke Frau, die das Erbe ihres Vaters (ehemals Kompagnon von Pauls Vater und genialer Konstrukteur), fortführen möchte und nicht nur Mutter und Ehefrau sein will.

Elisabeth (Pauls anfangs sehr standesbewusste Schwester) wird mutiger, selbstbewusster, rebelliert gegen ihre Schwiegereltern und findet im Lazarett eine echte Aufgabe und verabschiedet sich mit Unterstützung der Liebe von allen ihren Standesdünkeln. Kitty, Pauls exaltierte Schwester, reift von einer nervigen egozentrischen Person durch Liebe und Verlust zur erwachsenen Frau. Besonders anrührend sind aber die Geschichten von Humbert (Hausdiener in der Tuchvilla) und Hanna (Küchenmädchen), die der Krieg und die Liebe vor große Herausforderungen und Schicksalsschläge stellen.

Fazit:

Anne Jacobs hat es geschafft, die Schrecken des ersten Welt-Krieges in eine Geschichte einfließen zu lassen und die Sorgen und Nöte aller, Herrschaft und Personal, unterhaltsam und mitreißend in eine spannende Geschichte zu verpacken. Der Roman lebt durch die persönliche Identifikation von Lesern und Protagonisten, mir hat das Buch sehr gut gefallen!

Wer schreibt und wie geht es weiter?

Anne Jacobs veröffentlichte bereits unter anderem Namen historische Romane. Ihr Schreibstil ist mitreißend, spannend und sehr unterhaltsam. Die über 700 Seiten haben mich beim Lesen total gefesselt, jetzt muss ich unbedingt wissen wie es weiter geht.