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Susanne Fröhlich: Verzogen

Susanne Fröhlich: Verzogen

Krüger Verlag

Preis: 17,99 €

Landleben auf Probe – oder das kann ja heiter werden!

Andrea Schnidt hat sich breitschlagen lassen oder vielleicht auch nur mal nicht richtig aufgepasst! Jetzt muss sie aber worthalten, 365 Tage Landleben auf Probe liegen vor ihr: Paul, ihr Liebster, ist begeistert, voller Elan übernimmt er die Praxisvertretung für einen befreundeten Kollegen, der in der tiefsten Provinz praktiziert. Andreas Kinder und die Freundinnen verstehen die Welt nicht mehr, mal kurz zum Kaffee-Plausch verabreden geht nicht mehr und das „Hotel Mama“ wird jetzt auch schwerer zu erreichen sein, folglich hält sich die Begeisterung in Andreas Umfeld über den geplanten Umzug in die ländliche Idylle in bescheidenen Grenzen und auch sie hat durchaus ihre Zweifel, ob das „Kaff“  Palsdorf die richtige Adresse für sie sein kann. Direkt am Ortsausgang am Waldesrand ist das recht große Häuschen des Kollegen gelegen, hell und luftig geht anders und außerdem erben die zwei auch noch die Verantwortung für 3 Hennen, von denen eine, „Hannelore“ genannt, gleich das rum zicken mit Andrea anfängt. Das kann ja heiter werden….

Jeder kennt jeden, das wäre doch gelacht, wenn das bei Frau Doktor anders sein sollte!

Knapp eingezogen und noch recht verstrubbelt, macht „Frau Doktor“ die Erfahrung, dass das Erwerben von akademischen Titeln auf dem Land doch deutlich schneller geht als in der Stadt und macht zudem auch gleich Bekanntschaft mit den Informationsbörsen des Dorfes. Die Schwester des Försters und Inhaberin des „Tante Emma-Ladens im Dorf lässt es sich nicht nehmen, ihr gleich am Sonntagmorgen die Aufwartung zu machen, ob es passt, schert diese wenig und in der Küche kennt sich die Dame auch noch bestens aus…..

Mama kommt mit und Rudi kann ohne sein „Herzscher“ auch nicht sein!

Zu allem Übel hat sich Andrea von ihrer älteren Schwester Birgit auch noch die Verantwortung für die inzwischen Demenz-Kranke Mutter aufbürden lassen. Mama und Malgorzata, die polnische Pflegekraft, kommen mit das Haus, ist ja groß genug. Zu Frau Schnidts Erstaunen versteht sich die sonst schon etwas tüdelige Mama jedoch gleich Bestens mit den Hühner und vor allem mit der zickigen Hannelore, bahnt sich eine echte Liebe an. Spätestens als Andreas Ex-Schwiegervater Rudi zu ihnen zieht, wird klar, dass das Land eine große Bühne ist, auf der nichts privat bleibt und auf der die herrlichsten Komödien aufgeführt werden. Die Schnidt lässt sich da ebenfalls nicht lumpen und macht nebenbei auch noch PR für den geplanten Weihnachtsmarkt der Palsdorfer Landfrauen, gelernt ist gelernt und Raumduft-Sprays muss sie ja zum Glück nicht mehr anpreisen, da ist ihr leider mal wieder ihre Spontanität und die fiese Hexe im Vorzimmer des Ex-Chefs dazwischen gekommen.

Fazit: – oder Komödie vom Feinsten!

 Ich bin Fan der ersten Stunde von Frau Schnidt! Diese Episode ist jedoch besonders lustig und für mich auch ein „Déjà-vu“, als ehemaliges „Landei“ kenne ich mich mit „Sozialkontrolle“, spontanen Besuch und Kuchen-Care-Paketen der Nachbarn bestens aus. Susanne Fröhlich gelingt es auf sehr unterhaltsame und sehr einfühlsame Weise ihre Figuren sehr lebendig und glaubwürdig zu schildern. Jeder der Erfahrungen mit dem Landleben hat, erkennt da sofort vieles wieder. Das Buch bedient das Genre Komödie und verführt immer wieder zwischendrin zum herzhaftem Lachen, dass es dabei aber nicht zur Posse wird, liegt einzig daran, dass Frau Fröhlich ihre Helden sehr gut kennt und diese liebevoll und authentisch zu schildern versteht, das ist großes Unterhaltungskino und gelingt den allermeisten Autoren leider nicht. Demenz ist ein Thema, das nicht viele in einer Komödie suchen werden, dieser Autorin gelingt es jedoch, ohne es zu verniedlichen, dieses auch von der komödiantischen Seite zu beleuchten. Dafür müssen einer Schriftstellerin ihre Helden ans Herz wachsen und das ist hier zum Glück geschehen. Ich habe mich großartig unterhalten, ohne dass es jemals in einen „Komödianten-Stadl“ ausgeartet wäre und habe dabei auch noch gelernt, das Facebook heutzutage nur noch was für Langweiler ist, bei Instagram treiben sich heutzutage die Kreativen rum, vermutlich auch Susanne Fröhlich.

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